Sehnsüchte
Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.
Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläsehalle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwarzen Sarkophag einschlossen, herrschte lange gebannte Stille, bis endlich der Beifall einsetzte – Bann der Traumverlorenheit, die von diesem einzigartigen Stück ausging, Bann aber auch des strengen Glücks einer (fast) vollkommenen Aufführung.
Der Welschschweizer Frank Martin (1890-1974) gehört zu den großen Unzeitgemäßen unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Abseits von allen Schulen hat er ein Lebenswerk geschaffen, das die Zeitgenossenschaft zwar nicht leugnet, aber doch alle Anregungen – Impressionismus, Neoklassik, Zwölftonmusik – zu einem eigentümlich zwischen Archaik und Moderne changierenden Personalstil verschmilzt. Hört man mit unkonzentriertem Ohr hin, so glaubt man, in Martins suggestivem, zwischen lyrisch ausdifferenziertem Serialismus und modalen Ostinati gleitendem Legendenton einer hybriden Mischung aus Debussy und Orff ...
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Opernwelt November 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 21
von Uwe Schweikert, Michael Struck-Schloen
Eingekerkert, im Dunkeln weggeschlossen, verwahrlost und seelisch ausgehungert: Derart misshandelte Frauen müssten ihrer Befreierin um den Hals fallen und dem Ort des Grauens schnellstmöglich entfliehen. Dass genau dies in der Oper «Ariane et Barbe-Bleue» des französischen Komponisten Paul Dukas (1865-1935) nicht passiert, stellt eines der großen Hindernisse...
Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Freischütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
