Sehnsüchte

Nicht der Genius Loci, sondern die Werke standen diesmal im Vordergrund der RuhrTriennale: Willy Decker und Friedemann Layer führten Frank Martins selten gespielte, strenge Tristan-und-Isolde-Version «Le Vin herbé» in Duisburg zum Triumph, Christoph Marthaler machte in Gladbeck mit «Sauser aus Italien» Station, während Jörn Arnecke Bochums Jahrhunderthalle «Unter Eis» setzte

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Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.

Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläse­halle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwar­zen Sarkophag einschlossen, herrschte lange gebannte Stille, bis endlich der Beifall einsetzte – Bann der Traumverlorenheit, die von diesem einzigartigen Stück ausging, Bann aber auch des strengen Glücks ­einer (fast) vollkommenen Aufführung.
Der Welschschweizer Frank Martin (1890-1974) gehört zu den großen Unzeitgemäßen unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Abseits von allen Schulen hat er ein Lebenswerk geschaffen, das die Zeitgenossenschaft zwar nicht leugnet, aber doch alle Anregungen – Impressionismus, Neoklassik, Zwölf­tonmusik – zu einem eigentümlich zwischen Archaik und Moderne changierenden Personalstil verschmilzt. Hört man mit unkonzentriertem Ohr hin, so glaubt man, in Martins suggestivem, zwischen lyrisch ausdifferenziertem Serialismus und modalen Ostinati gleitendem Legendenton einer hybriden Mischung aus Debussy und Orff ...

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Opernwelt November 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 21
von Uwe Schweikert, Michael Struck-Schloen

Vergriffen
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