Entscheidend ist der Klang
Als Joan Sutherland 1969 in Hamburg als Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» ihr lange erwartetes Deutschland-Debüt gab, charakterisierte Horst Koegler ihre Erscheinung in der «Stuttgarter Zeitung» folgendermaßen: «Von Gestalt eher eine Walküre ... mit einem etwas planen Gesicht und molligen Armen ... bewegt sie sich mit der Grazie einer leicht übergewichtigen Gazelle.»
Die Frau, die ich fast vierzig Jahre später am Rande des Königin Sonja Gesangswettbewerbs in Oslo zum Interview treffe, entspricht diesem Bild kaum noch.
Sie ist heute eine grazile alte Dame, noch gut auf den Beinen und hellwach im Kopf, die über eine ganz natürliche Aura verfügt und kein Aufhebens um ihre Person macht. Sie scheint nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern bewusst im Hier und Heute – eine Frau, für die es auch ein Leben außerhalb der Bühne gibt. Im Gespräch ist sie offen und unkompliziert, gibt bereitwillig Auskunft über Details ihrer Karriere und beantwortet geduldig auch Fragen, die ihr möglicherweise schon hundertmal gestellt wurden. Dabei lässt sie jede Gelegenheit aus, sich ins rechte Licht zu rücken. Sie ist schließlich nicht als ehemalige Jahrhundert-Diva hier, sondern als fachkundige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft...
In Berlin war er eine Institution: Helmut Krebs, der als junger Sänger 1938 zuerst an die Städtische Oper in Charlottenburg engagiert wurde und diesem Haus, der späteren Deutschen Oper, ein Leben lang, bis zu seinem letzten Auftreten als Alter Sträfling in Janáceks «Aus einem Totenhaus» in den späten achtziger Jahren, treu geblieben ist. Ein halbes Jahrhundert...
Ein junger Mann gerät unverhofft in den Dunstkreis eines erfolgreichen Komponisten. Des «berühmtesten lebenden deutschen Komponisten schlechthin», wie man dem schüchternen Doktoranden der Germanistik versichert. Für diesen Komponisten zu arbeiten, «das sei in gewisser Weise so, als würde man für Brahms arbeiten. Oder für Beethoven.» Die Aufgabe des jungen Mannes:...
