Gluck: Iphigénie en Tauride
Ivor Bolton hat vor allem als Barockspezialist Karriere gemacht – an Orgel und Cembalo sowie am Dirigentenpult. Seine Interpretationen zeichnen sich heute durch einen eminent persönlichen Stil aus. Er ist weit davon entfernt, bloß die jüngsten Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis zu exekutieren. Glucks «Iphigénie en Tauride» hat Bolton schon oft dirigiert (etwa in Salzburg und Glyndebourne) und dabei mehrmals mit Susan Graham in der Titelrolle zusammengearbeitet.
Nun ist er mit dem Stück nach längerer Pause ans Royal Opera House zurückgekehrt – auf Wunsch von Musikchef Antonio Pappano, dem eine Aufführung mit «alten» Instrumenten vorschwebte. So trat Bolton in London für Gluck mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment an (während er das vorklassische Repertoire in München meist mit einem «normalen» Opernorchester einstudierte: dem Orchester der Bayerischen Staatsoper).
Boltons solides, inspirierendes Dirigat entpuppte sich als Highlight einer Produktion, in der Susan Graham und Simon Keenlyside (zumindest am Premierenabend) eigentümlich distanziert wirkten. Keenlyside sang die Partie des Orest farblos, ohne dramatischen Impetus und Tiefgang. Graham war als ...
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