Sehnsucht nach dem «Draußen»

Bremen, Ligeti: Le Grand Macabre

Opernwelt - Logo

Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt auf die introvertierten, in Richtung Beckett gehenden Qualitäten des Stückes. Eine anerkennenswert ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk, die es dem Publikum indes nicht leicht macht.


Das von Klaus Grünberg und Monika Morsbach ohne viel Aufwand entworfene Einheitsbühnenbild trennt ein kühles, klinisch weißes «Drinnen» durch ein gro­ßes, im dritten Bild verhängtes Sichtfenster von ­einem nicht vorhandenen «Draußen», möglicherweise dem Sehnsuchtsort der Personen, zu dem einige von ihnen im vierten Bild nach dem imaginierten Weltuntergang kurz hingelangen, um dann aber wieder in den beengten Spielraum zurückzukehren und am Ende des Stückes in derselben Haltung wie zu Beginn hinauszustarren. Es sind Menschen der Jetztzeit, in Alltagskleidung, ohne kennzeichnende Attribute der Rollen, die sie bei Ligeti spielen sollen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erinnerung, bestätigt

Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Frei­schütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...

Medium der Musik

Das Königliche Theater in Kopenhagen hat viele Chancen verpasst, Inga Nielsen mit ihren Glanzpartien vorzustellen. Der Prophet hat es schwer im eigenen Land. Das Dänische Radio (DR/Danish Broadcasting Corporation) war klüger und hat den Weg der bedeutendsten dänischen Sängerin ihrer Generation durch Live-Mitschnitte und Studioaufnahmen zumindest ein Stück lang...

Auf Flügeln in den Untergang

Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft...