Beschaulicher Wahnsinn

New York, Donizetti: Lucia di Lammermoor

Opernwelt - Logo

Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen nicht gerecht geworden.


Das Markenzeichen und Erfolgsrezept dieser hoch gelobten Künstlerin sind äußerst konzentrierte, visuell verführerische, komplex konstruierte, gleichwohl spielerische Adaptionen von Weltliteratur: Prousts «A la recherche du temps perdu» schnurrte bei ihr zu «Eleven Rooms of Proust» zusammen, ferner dienten (unter anderem) Leonardo da Vincis «Notizbücher», die «Metamorphosen» von Ovid und Homers «Odyssee» als Vorlagen. Für jedes Projekt musste sie eine eigene theatralische Welt erfinden, die ihr eigenes, unverwechselbares Tempo hatte. Opernregisseure genießen zwar viele andere Freiheiten, doch kommen sie nicht umhin, sich nach den Zeitvorgaben des Komponisten zu richten. Es hilft, der Musik zu vertrauen. Bei Zimmerman ist davon leider nichts zu spüren.
Ihre Ahnungslosigkeit in puncto musikalische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf Flügeln in den Untergang

Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft...

Berliner Operngeschichte

In Berlin war er eine Institution: Helmut Krebs, der als junger Sänger 1938 zuerst an die Städtische Oper in Charlottenburg engagiert wurde und diesem Haus, der späteren Deutschen Oper, ein Leben lang, bis zu seinem letzten Auftreten als Alter Sträfling in Janáceks «Aus einem Totenhaus» in den späten achtziger Jahren, treu geblieben ist. Ein halbes Jahrhundert...

Wagner: Das Rheingold

Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...