Unterbelichtet
Wunderkind der Moderne oder letzter Romantiker? – so lautet die Frage, die das internationale Symposion zum fünfzigsten Todestag von Erich Wolfgang Korngold in Bern gestellt hat. Unter der Leitung von Arne Stollberg präsentierten vom 13. bis 16. September über zwanzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Räumen der Berner Hochschule der Künste eine gewaltige Stoffmenge zu zeitgeschichtlichen Themen und biografischen Fragen, vor allem aber zu werkimmanenten und gattungsgeschichtlichen Perspektiven bei diesem frühbegabten Komponisten.
Deutlich wurde im Verlauf der Tagung, die sich nota bene durch hohes Niveau auszeichnete, wie sehr das oft eindimensional beleuchtete Bild der Zwischenkriegsmoderne der Korrektur bedarf, wie einseitig gerade die Operngeschichte jener Zeit unter dem Aspekt des sogenannten avantgardistischen Aufbruchs rezipiert wird.
Im Eröffnungsreferat führte Theo Hirsbrunner (Bern) in das «Treibhaus» Wien des frühen 20. Jahrhunderts, das er als eigenwillige Mischung aus großer Magie, Reflexion und Ausgelassenheit charakterisierte. Brendan G. Carroll (Liverpool) dokumentierte am Beispiel der ersten Klaviersonate das stupende kompositorische Handwerk des ...
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Man darf skeptisch sein, wenn Regisseure eine Holzkiste auf die Bühne stemmen. Besonders im Schauspiel soll das heißen: Wir spielen hier aus dem Theaterkarren heraus – Molière und Mutter Courage lassen grüßen. In Hannover gibt es jetzt in der Neuinszenierung von Brittens «Peter Grimes» nicht nur eine Kiste, sondern fünfhundertdreiundzwanzig (nach Auskunft des...
Wie schon 1907 zur Einweihung und 1953 zur Nachkriegswiedereröffnung dient Beethovens Hymnus auf die Gattenliebe den Kielern auch diesmal, zur Feier des hundertjährigen Bestehens ihres Opernhauses, als Festoper – obwohl die finale Utopie des Werks für Dominik Neuner, wie er das Publikum mit einem in Sekt- und Partylaune endenden Schlussbild unmissverständlich...
Als Hector Berlioz nach Abschluss der Partitur von «Les Troyens» die Qualitäten seines musikalischen Stils beschrieb, nannte er den leidenschaftlichen Ausdruck, den Reiz des Unerwarteten und das innere Feuer. Keine Komposition des Franzosen weist eine derart große Palette an Abstufungen des Emotionalen auf wie sein dramatisches Hauptwerk, aber auch keines eine so...
