Puccini: Turandot
Die Sklavin Liú hat sich geopfert, der Vorhang geht zu. Das Finale der Oper «Turandot» hat Puccini nicht mehr komponiert, der Krebs war schneller. Ping, Pang und Pong, die drei Minister aus Turandots Reich diskutieren am Orchestergraben. Auf Italienisch mit Übertiteln. Soll jetzt Schluss sein? Oder einer der Schlüsse gespielt werden, die Franco Alfano und Luciano Berio geschrieben haben. Und wenn ja, mit welchen Kürzungen? «Seid ruhig! Hier wird gemacht, was ich will», tönt die Stimme von Essens Generalmusikdirektor Stefan Soltesz aus dem Graben.
Und dann gibt es eine Kurzversion des Alfano-Endes.
Dieses hinzugedichtete Intermezzo war der heiterste Regieeinfall Tilman Knabes. Das Bühnenbild von Alfred Peter verlegt das Stück – wie das Programmheft verrät – in «die Hauptstadt eines totalitären Staates». Das Volk drängelt sich zwischen schäbigen Hauswänden, uniformierte Schergen halten es mit Absperrgittern in Schach. Der Kaiser wird auf einem Stuhl hereingetragen, er hat eine Atemmaske vor dem Antlitz und hängt am Tropf.
Tilman Knabe entwirft heftige Horrorbilder. Blutüberströmte Männerkörper schleppen sich zum Bühnenrand und brechen dort zusammen; die geköpften Opfer Turandots haben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Berlin war er eine Institution: Helmut Krebs, der als junger Sänger 1938 zuerst an die Städtische Oper in Charlottenburg engagiert wurde und diesem Haus, der späteren Deutschen Oper, ein Leben lang, bis zu seinem letzten Auftreten als Alter Sträfling in Janáceks «Aus einem Totenhaus» in den späten achtziger Jahren, treu geblieben ist. Ein halbes Jahrhundert...
Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Freischütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...
Ein junger Mann gerät unverhofft in den Dunstkreis eines erfolgreichen Komponisten. Des «berühmtesten lebenden deutschen Komponisten schlechthin», wie man dem schüchternen Doktoranden der Germanistik versichert. Für diesen Komponisten zu arbeiten, «das sei in gewisser Weise so, als würde man für Brahms arbeiten. Oder für Beethoven.» Die Aufgabe des jungen Mannes:...
