Seelenschau statt Staatsaktion
Es ist das alte Spiel: «Hab mich ein bisschen lieb, dann wird aus mir doch noch ein anständiger Kerl», sagt er zu ihr. «Dafür hole ich dir die Sterne vom Himmel und lege dir die Welt zu Füßen.» Sie spürt eigentlich, dass es ihm nur um sich geht, erliegt aber schließlich doch seiner dunklen Faszination. Nur: Wir sind in der Oper, weshalb sie am Ende stirbt und von Engeln in den Himmel getragen wird. Während er in der Hölle bleibt, aus der er kommt.
«Der Dämon» heißt das Opus von Anton Rubinstein, das nach der Uraufführung 1875 am Petersburger Mariinsky Theater lange zu den beliebtesten Bühnenwerken in Russland wie im Westen gehörte, wo Rubinstein nicht nur als Klaviervirtuose bekannt war, sondern auch einige deutschsprachige Opern komponiert hatte. In Westeuropa zeigten zuletzt die Bregenzer Festspiele den russischsprachigen «Dämon» (1997); für eine erneute Serie haben sich nun das Gran Teatre del Liceu in Barcelona, die Opéra National de Bordeaux und das Staatstheater Nürnberg mit der Moskauer Helikon-Oper zusammengetan, deren Gründer und Leiter Dmitri Bertman Regie führte. Den Stoff entnahm Rubinstein einer gleichnamigen Erzählung Mikhail Lermontovs, die sich ganz auf den Spuren ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
Seit mehr als 40 Jahren leistet in Salzburg das Festival «Aspekte» wertvolle Dienste für Musik unserer Zeit. Seit 2006 setzt der Komponist und Pädagoge Ludwig Nussbichler als künstlerischer Leiter klare thematische Schwerpunkte. Für die heurige Ausgabe fand er das Motto «Moving Pictures». Der tönende Blick in die Welt des Films sollte mehr als nur illustrative...
Mancher Mann wäre wohl gerne jener Luftstrom aus einem New Yorker Subway-Schacht Ecke Lexington Avenue und East 52nd Street, der die Schenkel der hinreißenden Platin-Blondine umkost und das weiße Kleid sich aufreizend bauschen lässt – überschäumenden élan vital und erotisches Versprechen suggerierend. Das Foto, als Wand- und Spind-Schmuck weltweit geliebt wie in...
Die Vorstellung ist, horribile dictu, absurd. Ewige Nacht. Es wäre ein Leben ohne Licht, ein Dasein im Dunkel, hoffnungslos-haltlos. Doch kaum vernimmt man die ersten Töne aus Robert Johnsons «Care-charming sleep», hat man die Sorgen schon vergessen. Ein ätherisches Wesen scheint, von irgendwoher, das Wort an uns zu richten. Und so organisch, so rein und...
