Schwäbischer Wildwest
Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen.
So jetzt wieder bei der Neuproduktion von Puccinis «La fanciulla del West» in der Stuttgarter Staatsoper – dem eigentlichen lokalen Debüt des umstrittenen Calixto Bieito nach seiner vorgezogenen, überraschend einhellig akklamierten «Jenufa»-Einspringproduktion vor ein paar Monaten.
Schwäbischer Opern-Wildwest also, von Bieito und seinen beiden Designern Alfons Flores und Mercé Paloma angesiedelt in einem Hollywood-Studio als Musicalshow vor einem Touristen-Publikum. Der erste Akt komplett überkandidelt mit Indianerüberfall, der zweite in Minnies beengtem zweistöckigen Wohncontainer, der pausenlos weggeräumt wird für den Freiraum des dritten Aktes, in dessen Spiegeln wir uns wieder einmal selbst erkennen dürfen. Daselbst dann der Showdown mit der Hinrichtung der beiden Rivalen als Samurai-Ritual. Beide dürfen aber wiederauferstehen nach Minnies Ex-machina-Auftritt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Rossini war einer der ersten bedeutenden Komponisten, die den englischen Dichter Sir Walter Scott, der für die europäische Romantik eine Leitfigur war, für die Opernbühne entdeckten. Scotts Verserzählung «The Lady of the Lake» (1810) bildet die Grundlage von «La donna del lago», die im September 1819 in Neapel ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte und sich mehr...
Dem Regisseur Dietrich Hilsdorf ist es gelungen, sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines ewig jungen Wilden zu bewahren. Opernwerke wirken auf ihn wie Festungsanlagen. Diese wollen beschossen und danach erstürmt sein. Was danach kommt, präsentiert sich unterschiedlich. Entweder wird die Festung wieder aufgebaut, oder sie wird geschliffen. Dann bleibt vom...
Wann hat es ein neues, junges Opernfestival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Publikum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Publikum trotz eher niedriger...
