Die Stadt, der Müll und der Tod

Christoph Marthaler und Anna Viebrock verlegen Verdis «La traviata» in der Pariser Oper in die falschen Fünfziger

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Verdis «La traviata» war zur Zeit ihrer Uraufführung anno 1853 eine Gegenwartsoper: Auf der Bühne erschienen Figuren, die auch im Saal als Zuschauer saßen. Die Vorlage für das Libretto stammte von Ale­xandre Dumas’ Sohn, dessen Schauspiel «La Dame aux Camélias» nur ein Jahr zuvor in Paris Premiere hatte.

Im Verlauf der Jahrzehnte, und damit der wachsenden Entfernung vom ge­sellschaft­lichen Ursprung, entwickelte sich «La traviata» immer mehr zu einer üppigen Ausstattungsoper, in der das traurige Schicksal einer Frau namens Violetta Valéry die Färbung einer sentimentalischen couleur locale annahm.
Es ist verständlich, dass das moderne Regietheater dieser Rezeptionsgeschichte energisch entgegenarbeiten möchte. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf das Existenzielle der Geschichte und Figuren. Wofür könnte Violetta stehen – damals wie heute? Für die Rolle der Frau in einer männlich determinierten Welt? Für das Thema «Einsamkeit» in der Gesellschaft, das beispielsweise Klaus Mi­chael Grüber in seiner Pariser Inszenierung von 1993 im Châtelet-Theater so eindrucksvoll gestaltete? Oder, eher allgemein und zeitübergreifend: die Darstellung einer «Zerstörung der Seele», wofür Violettas ...

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Opernwelt August 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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