Schuld und Sühne
Über Auschwitz schreiben? Eigentlich erscheint dies, und das beileibe nicht nur Adornos vielbemühten (und vieldeutigen) Verdikts wegen, als ein Ding der Unmöglichkeit.
Wie soll oder kann man ein Grauen in Worte fassen, das bis heute sprachlos macht? Und darf man dieses sprachlos Machende überhaupt in ästhetische Formen gießen? Liest man die romanhaften Reflexionen eines Primo Levi, Jorge Semprún oder Imre Kertész, gibt sich die Antwort plötzlich wie von selbst: Die Perspektive der betroffenen «Schicksallosen», Überlebenden, davon Beschwerten ist durchaus geeignet, das ungeheure Fiasko in semantisch berückende Bilder zu fassen, sprich, in Worte, die sich wie ein Schutzmantel über das Geschehene legen, um zugleich die Nacktheit dessen, der sie gesucht und gefunden hat, zu offenbaren. Um Wärme zu erzeugen, wo Kälte ein Urzustand von Wesenheit ist.
Aber lässt sich das auch in Klänge fassen? Ist es möglich, eine Oper zu komponieren, die dem Phänomen Auschwitz «gerecht» wird? Seit der Wiederentdeckung von Mieczysław Weinbergs «Passagierin» 2006 in Moskau (szenisch vier Jahre später in Bregenz) wissen wir: Es ist möglich. Und zwar vor allem deswegen, weil sich intellektuelle Distanz und ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Die Ära von Roland Geyer, dem Gründungsintendanten des Theaters an der Wien, neigt sich mit einer Produktion ihrem Ende entgegen, die wenig typisch ist für das Haus, an dem sich in den letzten Jahren Großtaten wie etwa Tatjana Gürbacas kühne «Ring»- Dekonstruktion ereigneten. Kurz vor der wegen Generalsanierung nötigen Schließung des Stammhauses und der Übernahme...
PERSONALIEN, MELDUNGEN
JUBILARE
Matti Lehtinen absolvierte seine Ausbildung an der Sibelius-Akademie in Helsinki und an der Opernschule der Kungliga Operan in Stockholm. 1949 debütierte er als Papageno in Mozarts «Zauberflöte» an der Finnischen Nationaloper und wurde Ensemblemitglied. Im Jahr darauf gewann der Bariton den Internationalen Concours de Genève. 1952–55...
Es gibt viele Lieder, «die heute vergessen und abgetan sind», schreibt Thomas Mann 1930 in den Erinnerungen an seine Mutter und bricht eine Lanze für Eduard Lassen, «einen Musiker etwas süßlichen Geschmacks …, der es aber ein paarmal in Verbindung mit Heinrich Heine zu einer sensitiven Ironie des Ausdrucks bringt, die mir unvergesslich ist». Am Ende des 19....
