Schuld und Sühne

Mehr oder minder zeitgenössisches Musiktheater im hohen Norden: An Stockholms Königlicher Oper wird «Löftet» von Mats Larsson Gothe uraufgeführt, Göteborg präsentiert mit Gösta Nystroems «Herr Arnes Penningar» eine reizvolle Rarität

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Über Auschwitz schreiben? Eigentlich erscheint dies, und das beileibe nicht nur Adornos vielbemühten (und vieldeutigen) Verdikts wegen, als ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie soll oder kann man ein Grauen in Worte fassen, das bis heute sprachlos macht? Und darf man dieses sprachlos Machende überhaupt in ästhetische Formen gießen? Liest man die romanhaften Reflexionen eines Primo Levi, Jorge Semprún oder Imre Kertész, gibt sich die Antwort plötzlich wie von selbst: Die Perspektive der betroffenen «Schicksallosen», Überlebenden, davon Beschwerten ist durchaus geeignet, das ungeheure Fiasko in semantisch berückende Bilder zu fassen, sprich, in Worte, die sich wie ein Schutzmantel über das Geschehene legen, um zugleich die Nacktheit dessen, der sie gesucht und gefunden hat, zu offenbaren. Um Wärme zu erzeugen, wo Kälte ein Urzustand von Wesenheit ist.

Aber lässt sich das auch in Klänge fassen? Ist es möglich, eine Oper zu komponieren, die dem Phänomen Auschwitz «gerecht» wird? Seit der Wiederentdeckung von Mieczysław Weinbergs «Passagierin» 2006 in Moskau (szenisch vier Jahre später in Bregenz) wissen wir: Es ist möglich. Und zwar vor allem deswegen, weil sich intellektuelle Distanz und ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

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