Schuberts Dämonen
In «Die Dämonen» berichtet Heimito von Doderer von einer Person, in der «Meuterei ausgebrochen» sei, «ein Rückzug von all dem Leben und Gewimmel rund um sie, das so vielfach an ihren zahlreichen Traurigkeiten und Niedergeschlagenheiten kalt vorbeigebraust war». Von Franz Schubert ist an dieser Stelle nicht die Rede, doch könnte man dies durchaus auf ihn beziehen; ja, es klingt nachgerade so, als hätte Doderer, als er das schrieb, gerade Schuberts schwermütig getöntes C-Dur-Streichquintett gehört.
Eventuell auch in der Interpretation von Quatuor Ebène – falls man im Himmel Platten hört. Es wäre passend, denn die Interpretation der jungen Franzosen ist, wie man so sagt, «himmlisch», geht unter die Haut, bringt uns aber auch die Hölle Schuberts in dessen letztem Lebensjahr nahe, lässt die Dämonen dieser Musik spüren. Die vielseitigen jungen Herren, gelegentlich auch im Pop-Bereich tätig und in dem Zusammenhang einmal als «Boygroup der Streichquartettszene» etikettiert, liefern hier (verstärkt durch den Cellisten Gautier Capuçon) einen interpretatorischen Präzedenzfall dieses so fordernden Werks.
Für das dritte Drittel des Albums steuert dann Matthias Goerne fünf Lieder bei. Auch in ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Wenn sich der Vorhang öffnet und die schwarz ausgehängte Bühne freigibt, robbt ein nackter Mann mit einem überdimensionalen Hut über den Boden. Bald kommen zwei weitere nackte Performer hinzu – mit derselben spitz zulaufenden Kopfbedeckung, die mehr einer Ku-Klux-Klan-Maske als an einem Juden-Hut ähnelt. Dominiert wird die dunkle, meist nur dämmrig ausgeleuchtete...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752290
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 10.05.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Was ist eine Abenddämmerung im Frühling anderes als eine Vielzahl unvollendeter Geschichten?» Selten hat ein Dichter die Verwirrung des Geistes durch die Gleichzeitigkeit der Ereignisse und die Melancholie des Unvollendeten so poetisch-treffend beschrieben wie Bruno Schulz, der Autor und Maler aus dem ostgalizischen Drohobycz. In seinem Buch «Die Zimtläden», das...
