Lochnummer
Was ist eine Abenddämmerung im Frühling anderes als eine Vielzahl unvollendeter Geschichten?» Selten hat ein Dichter die Verwirrung des Geistes durch die Gleichzeitigkeit der Ereignisse und die Melancholie des Unvollendeten so poetisch-treffend beschrieben wie Bruno Schulz, der Autor und Maler aus dem ostgalizischen Drohobycz.
In seinem Buch «Die Zimtläden», das 1934 auf Polnisch erschien, hat er in surreal verwobenen Beobachtungen und Geschichten aus seiner Heimatstadt (in der er 1942 unter den Schüssen eines Gestapomannes endete) das zusammengetragen, was sein Leben ausmachte ‒ vor allem die Figur des Vaters.
Auf der Bühne des Staatenhauses in Köln-Deutz, wohin die Kölner Oper nach der Sanierungsschlamperei im Stammhaus ausgewichen ist, wackelt die Vaterfigur (Yael Rion) als klapprig-dementer Alter herein, mutiert zum Vogel und zum Rieseninsekt, stirbt am Ende, betrauert vom fassungslosen Sohn (Christian Miedl). Die australische Komponistin Liza Lim hat Momente aus Schulz’ «Zimtläden» zum Kern ihrer neuen Oper «Tree of Codes» gemacht ‒ allerdings nicht aus dem originalen Buch, sondern aus dem Buch-Kunstwerk «Tree of Codes» von Jonathan Safran Foer, der die Schulz-Geschichten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen
In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
JUBILARE
1926 in Melbourne geboren, schloss Denis Vaughan 1947 an der Universität seiner Heimatstadt ein Musikstudium ab und setzte seine Ausbildung mithilfe eines Stipendiums am Royal College of Music in England fort, wo er Orgel und Kontrabass studierte. 1950 trat er dem Royal Philharmonic Orchestra unter Thomas Beecham bei, bevor er zum Assistant Conductor und...
