Schottland tanzt, turnt, turtelt
Dieses Bild: be(d)rückend trist. Ein Alptraum. Einsam, verlassen liegt da, auf leerer Bühne, die Königstochter, maskiert, in sich gewendet, zernichtet und doch angeweht von metaphysischer Seligkeit, um sich herum spiegelverzerrte Videosequenzen der Erinnerung (Voxi Bärenklau). Nur noch eines will sie, das Ende. Und so singt Ana Durlovski sich diesen Wunsch nach dem Jenseits glühend-innig von der Seele, begleitet von tief seufzenden, in Terzen, Quinten und Oktaven abstürzenden Achteln des eloquenten Orchesters.
Nicht zufällig steht Ginevras ausufernde Larghetto-Arie «Il mio crudel martoro» am Ende des zweiten Akts in der Tonart, die Händel zuvor bereits ihrer Hofdame Dalinda und Lurcanio, dem Bruder ihres Verlobten, zugeteilt hatte. E-Moll, das ist in diesem Stück die Tonart der Gedemütigten, klanggewordene Introspektion. Verblichen jene frühlingshaft-unbeschwerten Stunden, als Ariodantes Verlobte ein trotzig-kapriziöses Mädchen war, das seinen Schmuck liebte und mit kecken Worten die Hässlichkeit Polinessos, des hölzernen Herzogs von Albany, verhöhnen durfte. Nun aber, da das Gift der Intrige seine Wirkung getan hat, da die tödliche Herzensangst der c-Moll-Arie «Mi palpita il core, ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
«Der Wind wütete, hoch schwollen die Wogen, schwer wog die Luft von Dunkelheit. Der Ozean verfinsterte sich und der Regen peitschte in Stößen herab.» So beschrieb der Mediävist Joseph Bédier in seiner 1900 erschienenen Nacherzählung des Tristan-Stoffs das Meer. Derart wild geht es an der Cardiff Bay am Abend der Premiere von Frank Martins «Le Vin herbé» zwar nicht...
Valery Gergiev und «Salome», das ist eine lange Geschichte. Die neue Produktion am Mariinsky Theater markiert seine dritte Auseinandersetzung mit dem Stück. Vor mehr als zwei Dekaden hatte er es sich zum ersten Mal vorgenommen, zuletzt stand es vor dreizehn Jahren auf dem Spielplan. Nun hat er sich mit Marat Gatsalov einen prominenten Schauspielregisseur ins Haus...
Terynka ist verschwunden. Als die Eltern ihr Kind vom Puppentheater abholen wollen, finden sie nur sein rotes Jäckchen zwischen den Zuschauerstühlen. Damit gehen sie zur Polizei. Der Wachtmeister nimmt Terynkas Foto entgegen und versenkt die Jacke tief in der Schublade. Suchen wird er nach dem Mädchen nicht. Denn er selbst hat es entführt.
In Coburg zeigen...
