Schottland tanzt, turnt, turtelt
Dieses Bild: be(d)rückend trist. Ein Alptraum. Einsam, verlassen liegt da, auf leerer Bühne, die Königstochter, maskiert, in sich gewendet, zernichtet und doch angeweht von metaphysischer Seligkeit, um sich herum spiegelverzerrte Videosequenzen der Erinnerung (Voxi Bärenklau). Nur noch eines will sie, das Ende. Und so singt Ana Durlovski sich diesen Wunsch nach dem Jenseits glühend-innig von der Seele, begleitet von tief seufzenden, in Terzen, Quinten und Oktaven abstürzenden Achteln des eloquenten Orchesters.
Nicht zufällig steht Ginevras ausufernde Larghetto-Arie «Il mio crudel martoro» am Ende des zweiten Akts in der Tonart, die Händel zuvor bereits ihrer Hofdame Dalinda und Lurcanio, dem Bruder ihres Verlobten, zugeteilt hatte. E-Moll, das ist in diesem Stück die Tonart der Gedemütigten, klanggewordene Introspektion. Verblichen jene frühlingshaft-unbeschwerten Stunden, als Ariodantes Verlobte ein trotzig-kapriziöses Mädchen war, das seinen Schmuck liebte und mit kecken Worten die Hässlichkeit Polinessos, des hölzernen Herzogs von Albany, verhöhnen durfte. Nun aber, da das Gift der Intrige seine Wirkung getan hat, da die tödliche Herzensangst der c-Moll-Arie «Mi palpita il core, ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
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Valery Gergiev und «Salome», das ist eine lange Geschichte. Die neue Produktion am Mariinsky Theater markiert seine dritte Auseinandersetzung mit dem Stück. Vor mehr als zwei Dekaden hatte er es sich zum ersten Mal vorgenommen, zuletzt stand es vor dreizehn Jahren auf dem Spielplan. Nun hat er sich mit Marat Gatsalov einen prominenten Schauspielregisseur ins Haus...
Welche Maßstäbe sollte man an einen Sänger anlegen? Zählen Fähigkeiten oder Erfolge? Ich bin für Fähigkeiten, denn was nützt ein Lebenslauf der Superlative, wenn man kaum noch krächzen kann? Allerdings ist der «United States Customs and Immigration Service» (USCIS) da anderer Meinung: Mir wurde gerade ein Visum verweigert.
Ich sollte Basilio in «Le nozze di...
