Schafe satt

Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles «Titon et l’Aurore» aus Paris

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Der Zeitzeuge zeigte sich beeindruckt: «Der erste Akt beginnt mit dem Erscheinen Auroras. Das ist das womöglich blühendste, wollüstigste Stück Musik, das ich bisher in der Oper gehört habe» – das schreibt Jacques Cazotte im Uraufführungsjahr 1753 von Mondonvilles pastorale héroïque «Titon et l’Aurore».

Große Instrumental- oder Chorbilder waren, neben einer sinnlichflüssigen Melodik, das Markenzeichen des Komponisten, dessen Ruhm sich in erster Linie auf seine grands motets gründete: polyphone Chortableaus, in denen die Bilder eines gewaltigen alttestamentlichen Gottes, der die Feinde seines ihm anverlobten Volkes zerschmettert, eine zuvor nicht geahnte Präsenz erlangt hatten. Wenn im zweiten Akt der Oper der eifersüchtige Éole gegen den simplen Hirten Titon, in den sich die Göttin der Morgenröte verliebt hat, seine Stürme entfesselt, dann zieht diese Ästhetik der Überwältigung in die Oper ein – und die «Nebengattung» der pastorale héroïque, die ja im Fantastischen zu Hause war, war der dafür besonders geeignete Ort. Im selben Jahr wird Mondonville mit seinem Psalm «In exitu Israel» ein gewaltiges Fresko vom Durchzug der Israeliten durchs Rote Meer komponieren.

Im berühmten Pariser ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 28
von Klaus Heinrich Kohrs

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