Maximale Diskrepanz
Das erste Mal erregte der Regisseur Miloš Lolić in der deutschsprachigen Theaterlandschaft Aufsehen, als er beim Festival «Radikal jung» am Münchner Volkstheater seine in Belgrad entstandene Inszenierung von Falk Richters «Gott ist ein DJ» präsentierte. Das war 2011. Es folgten Arbeiten in Basel, Berlin, Düsseldorf, München und Wien – oft bildmächtige, leidenschaftliche Huldigungen an die Bühnenkunst, gern unterfüttert mit einem politischen Anliegen.
Nun hat die neue Leitung der Bühnen Bern ein ausgesprochenes Faible für Debütanten im Musiktheater; mit Ewelina Marciniak, die Wagners «Rheingold», ihre erste Opernarbeit, gleich mit ungeheurem Instinkt und dabei auch noch hochspannend inszenierte, ging das jüngst auch trefflich auf. Bei Lolić und Mozarts «Idomeneo» funktioniert es nicht. Klar, das Stück ist schwieriges Terrain; für die Geschichte mit schlechtgelaunten Göttern, idiotischen Schwüren und einem in seiner Überschaubarkeit niederschmetternden Liebesdreieck braucht man schon eine sehr gute Idee. Lolić war bislang in seinen Theaterarbeiten um Einfälle nicht verlegen, hier hat er einen ziemlich blöden: Er lässt sich von Wolfgang Menardi eine «Bühne» mit Portal, Vorhang und ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Egbert Tholl
Die Hörner besingen die Magie des Waldes. Langsam fährt die Kamera im Video von Philipp Contag-Lada während des Vorspiels den Bergwald hinunter, und schon stehen die Bäume in Flammen. Der Wald brennt. Weiter unten sieht man verkohlte Stämme, unter denen Hänsel und Gretel in einer notdürftigen Unterkunft mit den Eltern hausen. Regisseur Axel Ranisch macht von Anfang...
Performative Energien
Ein Multitalent? Es ist anzunehmen. Sirje Aleksandra Viise, die in den USA und in Berlin studierte und sich danach auf die zeitgenössische Musik und Kunst stürzte, ist nicht nur eine Expertin für besondere Klangwelten, sie liebt auch das Experimentelle an sich. Ihre Abende sind mehr als nur reine Aufführungen, sie sind vor allem eindrucksvolle...
Komponistinnen sind zwar im kulturellen Klima der Diversität «angesagt», ihre Werke führen im Konzertsaal und auf den Opernbühnen aber nach wie vor ein Schattendasein. Rühmliche Ausnahmen: das Stadttheater Bremerhaven, das in dieser Spielzeit schwerpunktmäßig Werke von Frauen aufs Programm gesetzt hat, und das Staatstheater Darmstadt, das eine ganze...
