Schöne bunte Kinderwelt
In Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexiko» ist die Musik selbst schon Theater. Das Szenarium des Theaterrevolutionärs Antonin Artaud bildet nur den Ausgangspunkt eines visionären Entwurfs, der die rudimentären Handlungselemente – den Gegensatz von kosmischem und logozentrischem Denken in Gestalt des Aztekenherrschers Montezuma und des spanischen Konquistadors Cortez, die zugleich stellvertretend für die Polarität des Weiblichen und des Männlichen stehen – als assoziative Versatzstücke eines entfesselten Theaters benutzt, in dem der Klang selbst der Akteur ist.
Was Artaud 1936 in Mexiko suchte und in seinen Schriften umkreiste, war keine Verherrlichung der blutigen Aztekenherrschaft, sondern die Suche nach einer präkulturellen, archaischen Welt – nach «Stimmen, die nicht mehr der Welt der Ideen angehören» – , ein magisches Überschreiten der Vernunft, ein rituelles Aufbrechen der geschlechtlichen Ordnung also, deren starrer Zwang in der auch von Rihm manisch repetierten Formel «neutral - weiblich - männlich» anklingt. Rihm hat die in Artauds Szenarium nur imaginierten Bilder – Montezumas Ahnung vom Untergang seines Reichs, dem Auftreten der Spanier, dem Massaker und Tod Montezumas, ...
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«Das Mädchen aus der Fremde» lautet der Titel eines Gedichtes von Friedrich Schiller. In diesem Jahr dreht sich alles um den Geistesheroen, der vor zweihundert Jahren starb. An der Schillerbühne zumal – denn so versteht sich das Mannheimer Nationaltheater. Der Abend, der um zwei Gedichte von Friedrich Schiller kreist, entstand als Auftragswerk der beiden...
Noch vor fünfzig Jahren gehörte d’Alberts «Tiefland» – genau wie Flotows «Martha» und Lortzings «Undine» – zum unverzichtbaren Standardrepertoire des deutschen Stadttheaters. Nachdem diese Werke, nicht zuletzt auf Grund einer wohl durch die Achtundsechziger ausgelösten Intellektualisierung des Musiktheaters, fast vollständig von unseren Spielplänen verschwunden...
Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur...
