Augsburg, Gounod: Roméo et Juliette

Es war sein Einstieg: Frisch aus Klagenfurt engagiert, dirigierte der 29-jährige Ungar Henrik Nánási als neuer Erster Kapellmeister mit «Roméo et Juliette» eine viel versprechende Erstaufführung: Staunenswert, zu welchen Farbmischungen der Bläser und Streicher er sein neues Orchester animierte, wie er Oberstimmen leuchten ließ, Übergänge weich modellierte, Steigerungen genau austarierte und im Tutti immer auf einen durchsichtigen, fein schimmernden Klang achtete. Nánásis Schlagtechnik ist von verblüffender Genauigkeit, Transparenz und Ökonomie.

Wer unter ihm spielt, kann nicht anders, als konzentriert zu folgen.
Das tat neben dem exzellenten Orchester auch der bemerkenswert ausdrucksstarke, nie forcierende Chor. Und das versuchten – mit unterschiedlichem Erfolg – auch die Solisten. Denn Petra van der Mieden als Juliette wirkte bei ihrer großen ersten (Koloratur-)Arie noch etwas nervös, konnte sich dann aber dank der Leuchtkraft ihrer Stimme immer mehr behaupten. Leider gelang das Peter Bernhard mit seinem lyrischen, warm timbrierten, aber allzu wenig tragfähigen Tenor nicht immer. Vor allem in der Höhe und mit der Phrasierung hatte er Probleme. Beide zusammen waren dennoch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 50
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Toulouse, Cherubini: Medea

Die Wiedergeburt von Cherubinis «Medea» (in der französischen Urfassung mit Dialogen «Médée») auf dem Musiktheater wird gemeinhin dem stimmlichen und darstellerischen Parforceritt der Maria Callas zugeschrieben. Sie hat die Partie in den fünfziger Jahren nach Mailand an verschiedenen italienischen und internationalen Bühnen gesungen. Seither erscheint das 1797 in...

Cilea: Gloria (Previtali),Puccini-Leoncavallo u.a.

Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...

Strauß: Der Zigeunerbaron (A. Jordan)

Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser...