Augsburg, Gounod: Roméo et Juliette
Es war sein Einstieg: Frisch aus Klagenfurt engagiert, dirigierte der 29-jährige Ungar Henrik Nánási als neuer Erster Kapellmeister mit «Roméo et Juliette» eine viel versprechende Erstaufführung: Staunenswert, zu welchen Farbmischungen der Bläser und Streicher er sein neues Orchester animierte, wie er Oberstimmen leuchten ließ, Übergänge weich modellierte, Steigerungen genau austarierte und im Tutti immer auf einen durchsichtigen, fein schimmernden Klang achtete. Nánásis Schlagtechnik ist von verblüffender Genauigkeit, Transparenz und Ökonomie.
Wer unter ihm spielt, kann nicht anders, als konzentriert zu folgen.
Das tat neben dem exzellenten Orchester auch der bemerkenswert ausdrucksstarke, nie forcierende Chor. Und das versuchten – mit unterschiedlichem Erfolg – auch die Solisten. Denn Petra van der Mieden als Juliette wirkte bei ihrer großen ersten (Koloratur-)Arie noch etwas nervös, konnte sich dann aber dank der Leuchtkraft ihrer Stimme immer mehr behaupten. Leider gelang das Peter Bernhard mit seinem lyrischen, warm timbrierten, aber allzu wenig tragfähigen Tenor nicht immer. Vor allem in der Höhe und mit der Phrasierung hatte er Probleme. Beide zusammen waren dennoch ...
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Sonderlich beliebt sind sie nicht, die alten Schweden. Fragt man in Stockholm nach nationalen Klassikern des Tonsatzes, kommen Einschätzungen wie «nicht wirklich gut» (der Komponist Anders Hillborg über den Komponisten Kurt Atterberg) oder das Bekenntnis «klingt mit Retuschen besser» (der Dirigent Manfred Honeck über den Komponisten Franz Berwald). Unverdrossen...
Herr Holl, hinterlassen Lieder Spuren in Ihrer Opernarbeit?
Die Arbeit mit Texten interessiert mich am meisten. Das ist, wenn ich Wagner singe, nicht anders als bei einem Schubert-Lied.
Inwiefern?
Es geht um die Einheit von Text und Musik. Das war bei Wagner ja auch so: Er schrieb zuerst die Dichtungen, und im zweiten Schritt komponierte er sie aus. Nicht zuletzt...
Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen...
