Momentaufnahmen

Osnabrück, Korngold: Die tote Stadt

Opernwelt - Logo

Jetzt wissen wir es also ganz genau: Paul, der den Tod seiner geliebten Marie betrauert, leidet unter dem Borderline-Syndrom, einer – wie das Programmheft für alle Nicht-Mediziner im Publikum hilfreich erläutert – Persönlichkeitsstörung, die mit Selbstverletzungen des Patienten einher geht. Was auf der Bühne eine reichlich unappetitliche Angelegenheit ist.

Außerdem rammt Paul, da er ohnehin gerade am Schnippeln ist, der von ihm hass-geliebten Marietta nach der gemeinsamen Liebesnacht die Schere in den Bauch, womit sich der Regisseur der ebenso wirkungsvollen wie symbolträchtigen Todesart des Erwürgens mit Mariens Haarflechte entledigt. Aber wir haben es bei Michael Schulz offenbar wieder einmal mit einem jener Theatermacher zu tun, die es besser wissen als der Komponist und Imagination durch Banalitäten ersetzen.
Was schade ist. Denn durch solche irritierenden Gedankenspiele verliert die in weiten Passagen suggestiv bebilderte Inszenierung (Bühne: Jan Bammes) viel von ihrer Qualität. Das kahle, schmucklose, an ein Krankenzimmer erinnernde Ambiente des ersten Aktes, die überdimensionale Zwangsjacke für Paul zu Beginn des Traumes, das surrealistisch überbordende Spiel der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: panorama, Seite 47
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
In der Zeitfalle

Die erste Oper des Komponisten Lorin Maazel ist eine Liebesgeschichte, bei der es besonders auf die Verhältnisse ankommt. Julia liebt Winston und Winston liebt Julia. Doch nicht die Familien, wie es sonst in solch klassischer Konstellation der Fall ist, sind gegen diese Liebe, sondern der alles überwachende Staat ist es. Deshalb wird das heimliche Liebesnest in der...

Händel: Rodelinda CD und DVD

Es leuchtet ein, dass die Umschichtung des Klassik-Marktes weg von der CD-Gesamtaufnahme hin zur DVD besonders der Barockoper zugute kommen muss: Die Erfolgsproduktionen von Werken Händels, Monteverdis, Cavallis und Rameaus in den letzten Jahren bewiesen schließlich gerade die verblüffende szenische Lebendigkeit des barocken Musiktheaters und seine (auch formale)...

Alptraum in Pink

Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem...