Schmerz, der nie vergeht
Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine bemerkenswerte Ausnahme.
Die Booklet-Fotos, die Anna Prohaska in einer Art wilhelminischen Militärmantel zeigen, wie er der historisch informierten Fantasie eines heutigen Modeschöpfers entsprungen sein könnte (oder es sogar ist), lassen auf den ersten Blick befürchten, dass hier ein Thema von geradezu existenzieller Wucht konjunkturgemäß aufbereitet und kundentauglich ästhetisiert wird. Doch schon nach den ersten Tönen des einleitenden Volkslieds «Es geht ein dunkle Wolk herein» ist klar, dass der Inhalt dieser CD nicht identisch mit deren Verpackung ist. Unbegleitet und mit klarer, doch verhaltener Stimme vermag Anna Prohaska einen Sog zu erzeugen, der in eine dramaturgisch überaus stimmig gestaltete Abfolge von Liedern aus vier Jahrhunderten hineinzieht und bis zum Schluss nicht nachlässt.
Unter den Liedern finden sich ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Thomas Seedorf
Seit seiner Gründung vor 40 Jahren konzentriert sich das Festival della Valle d’Itria auf die Wiederentdeckung selten gespielter Werke des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie die Ausgrabung vergessener Barockpartituren – mit besonderem Augenmerk auf apulischen Komponisten wie Leonardo Leo, Tommaso Traetta, Nicola Piccinni, Giovanni Paisiello u. a., die...
Herr Nigl, Sie gehören zu den wenigen bekannten Sängern, die fast nur in Neuproduktionen auftreten. Warum?
Richtig, ich singe fast gar keine Repertoirevorstellungen. Das hat sich so entwickelt, weil mir die Zusammenarbeit mit einem Regisseur und einem Dirigenten einfach zu wichtig ist. Erfolge hatte ich vor allem mit Festival-Produktionen. Erst durch die Opern von...
Verheißungsvolles rosa Glimmen, dann ein Krach. Der Käfig, der sich vor dem Alkoholator aus dem Bühnenboden schiebt, ist steckengeblieben. Technische Störung in der Untermaschinerie. Die ins Tiefgeschoss der Wartburg verdrängten Triebe – verklemmt! Tannhäuser und eine hochschwangere Venus hieven sich durch die Dachluke und machen oben weiter, so gut es geht. Aber...
