«Ich habe keine Rotweinstimme»

Als Kind erkämpfte er sich seinen Platz bei den Wiener Sängerknaben, als junger Mann schmiss er sein Studium hin. Bei Hilde Zadek lernte er, zu sich selbst zu finden. Heute verweigert sich der Bariton Georg Nigl dem Repertoire-Alltag, baut lieber auf den Ensemblegeist in Neuproduktionen – als Wanderer zwischen Alter Musik und Moderne

Opernwelt - Logo

Herr Nigl, Sie gehören zu den wenigen bekannten Sängern, die fast nur in Neuproduktionen auftreten. Warum?
Richtig, ich singe fast gar keine Repertoirevorstellungen. Das hat sich so entwickelt, weil mir die Zusammenarbeit mit einem Regisseur und einem Dirigenten einfach zu wichtig ist. Erfolge hatte ich vor allem mit Festival-Produktionen. Erst durch die Opern von Pascal Dusapin bin ich mit dem regulären Betrieb überhaupt ein wenig bekannt geworden, etwa in Brüssel, Berlin und später in Amsterdam.

Mich haben meist Regisseure wie Andrea Breth oder Sasha Waltz angesprochen. Bei Sasha Waltz habe ich jetzt erstmals selbst den ersten Schritt gemacht und von mir aus gefragt, ob wir nicht Monteverdis «Orfeo» gemeinsam machen könnten. Das Ergebnis kann man ab September an der Nederlandse Opera in Amsterdam sehen und hören.

Woher kommt diese Einstellung?
Dahinter steht die Antwort meiner Lehrerin Hilde Zadek auf eine Frage, die ich ihr vor vielen Jahren stellte. Ich wollte wissen, was das Geheimnis des ­legendären Wiener Mozart-Ensembles war, dem sie angehörte. Hilde Zadek antwortete schlicht: «Wir haben miteinander geprobt.» Das war ein Schlüsselerlebnis für mich.

Hatten Sie noch weitere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Interview, Seite 62
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Logout

Die Lage hat sich weiter zugespitzt. Konfrontiert mit wachsenden Defiziten der New Yorker Metropo­litan Opera, nahm sich Intendant Peter Gelb vor, die Personalkosten drastisch zu senken – und forderte von den Mitarbeitern einen Lohnverzicht in Höhe von 16 Prozent (siehe OW 6/2014). Die Musiker hingegen werfen Gelb vor, das Geld für teure, aber schlecht laufende...

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Es sind so viele Emotionen an diesem Abend», sagt Chefdirigent François-Xavier Roth, und sein Blick nach einer beeindruckend bedrückenden Interpretation von Anton Bruckners Achter Sinfonie sagt alles. Da hat ein Orchester gewissermaßen sein eigenes Requiem gespielt. «Mysterium» – «Apokalyptische» lauten die Beinamen des gewaltigen sinfonischen Werks. An diesem...

Wie mit Zoom

Der 1770 in Mailand uraufgeführte «Mitridate» galt lange als unaus­gereiftes Jugendwerk Mozarts. Der 14-Jährige erfüllt die Anforderungen der italienischen Seria und bleibt dabei formal eher schematisch. Er ist aber zugleich seiner Zeit voraus – neben dem glänzenden Instrumentalsatz beweist das vor allem der Reichtum der musikalischen Charakterzeichnung. Dass das...