Schlingensiefs letzte Idee

Stephan Braunfels über ideale Räume für das Musiktheater

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Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?

Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder tot­gespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher Raum, in dem ich gern Opern sehen würde.



Erstaunlicherweise sind aber selbst die modernsten Opernhäuser, wie sie gerade auf der Architekturbiennale in Venedig für China eindrucksvoll in fantastischen futuristischen Modellen vorgestellt werden, im Inneren mit traditionellen Rangtheatern mit Guckkastenbühnen ausgestattet. Auch das soeben eröffnete Opernhaus von Oslo, eine modernistische «Eisscholle», ist im Inneren ein traditionelles Rangtheater mit Guckkastenbühne, ja das Auditorium hat sich geradezu emphatisch die Semper-
oper von Dresden zum Vorbild genommen.

Diese gehört ja auch gewiss zu den besten Opernräumen der Welt, auch wenn Semper sie noch als traditionelles Rangtheater gebaut hat, welches allerdings durch den Wiederaufbau von Wolfgang Hänsch so unmerklich wie genial verändert und verbessert wurde. Semper wurde zum ...

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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: 50 Jahre «Opernwelt», Seite 102
von Stephan Braunfels

Vergriffen
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