Schlicht betörend
Seien wir ehrlich: Das Stück war uns unbekannt. Und auch sein Schöpfer, der portugiesische Barockmeister Francisco António de Almeida, 1702 geboren und vermutlich beim Erdbeben von Lissabon anno 1755 zu Tode gekommen, kaum vertraut. Aber was ist das für eine Musik! Göttlich ist sie, würde- und seelenvoll, erhaben – und von einer Schönheit, die überirdisch zu nennen nicht einmal übertrieben scheint. Der Titel der Arie aus de Almeidas Oratorium «La Giuditta», die zu solchen Superlativen verleitet, passt dazu: «Giusto Dio». Gerechter Gott.
Den nämlich ruft in größter Verzweiflung die arme Ozia in diesem lyrischen Lamento an und tut es mit Klängen, die jeden Gott erweichen müssten, zumal wenn sie so gesungen werden wie von Jakub Jozéf Orliński und sich dazu ein Ensemble gesellt, das solch butterweiche Achtel in den imaginären Raum zu tupfen imstande ist wie Il Pomo d’Oro unter der inspirierenden Leitung von Francesco Corti.
Hätte Händel dieses himmlische Stück geschrieben, man würde es auf eine Stufe mit «Ombra mai fu» und «Verdi prati» stellen (um nur zwei der berühmtesten Schlager aus dessen Feder anzuführen). Zu bewundern ist in jedem Fall die apollinische Klarheit von Orlińskis ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Jürgen Otten
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