Empfindsame Herzen
Als «Schöpfer eines ganz neuen Geschmacks» hat Christian Friedrich Daniel Schubart den von 1754 bis 1769 als Kapellmeister am württembergischen Hof wirkenden Niccolò Jommelli gerühmt. Was Schubart meinte, wird beim Hören der 1766 in Ludwigsburg uraufgeführten Oper «Il Vologeso» schnell deutlich.
Der Stoff aus der antiken Geschichte samt seinem Happy End – der römische Feldherr Lucio Vero hat den Partherkönig Vologeso besiegt und stellt nun, seine Braut, die Kaisertochter Lucilla betrügend, Vologesos Gattin Berenice nach, wird jedoch vom eigenen Heer zum Verzicht gezwungen – ist typisch für die barocke Seria. Aber Jommelli übernimmt nur noch deren Versatzstücke und will, so hat er es selbst in einem Brief 1769 formuliert, mit seinen bewusst realistischer eingesetzten Affekten und Leidenschaften die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer erschüttern. Form, Melodik, Harmonik und Orchestersatz stehen ganz im Zeichen der damals in Europa herrschenden Empfindsamkeit. Virtuosität des Gesangs ist zwar noch gefordert, aber nicht mehr die alleinige Richtschnur. Die kleingliedrig deklamatorisch, ja oft geradezu gestisch akzentuierte Melodik wird immer wieder von heftigen Akkorden und ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Stellen wir uns vor: ein Opernlaboratorium. Darin wirken nicht nur Dirigenten und Librettisten, Regisseure, Bühnen- und Kostümbildnerinnen, Sängerinnen und Sänger sowie multimediale Profis, dort trifft man zudem Spezialisten anderer, eher kunstferner Disziplinen. Was sie eint, ist das Ziel. Und das besteht im konkreten Fall darin, acht sogenannte...
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