Schlachtengesänge
Zur Hochzeit der Opera seria in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte Giuseppe Maria Boschi zu ihren erfolgreichsten Interpreten. Nachdem er 1710/1711 in London erstmals in Opern Georg Friedrich Händels gesungen hatte, ging er 1717 mit dem Komponisten Antonio Lotti an den Dresdner Hof, von wo ihn Händel erneut für die Royal Academy of Music abwerben konnte. Zwischen 1720 und 1728 sang er 15 Rollen allein in dessen Opern, dazu weitere unter anderem für Attilio Ariosti und Giovanni Bononcini. Das Besondere an dieser großen Karriere: Boschi war keiner der begehrten Kastraten.
Sondern ein Bass mit breitem Stimmumfang.
Der italienische Bassbariton Sergio Foresti hat nun einige seiner Glanznummern zu einem Album zusammengestellt, das auch heute heraussticht, da barocke Ariensammlungen häufiger von Frauenstimmen oder von Countertenören bestritten werden. Weil tiefe Männerstimmen, aller Gewöhnung an den Countertenor zum Trotz, seit der Romantik stärker mit Männlichkeit assoziiert werden, fällt dabei auf, was hohe Stimmen in gegenwärtigen Ohren oft kaschieren: wie stark die Figuren der Opera seria von Männlichkeitsidealen geprägt sind, von Heldentum und einem Ehrgefühl, dessen ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Michael Stallknecht
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