Ups! Sie macht es wieder

Berg: Lulu
BRÜSSEL | THEATER

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Wie soll man das nennen? «Wiederaufnahme» trifft es nicht. La Monnaie hat Krzysztof Warlikowskis  «Lulu»-Inszenierung nach neun Jahren noch einmal hervorgeholt. Es war 2012 eine Tat, hyperambitioniert, supersimultan, eine eindrucksvolle Demonstration des Warlikowski-Theaters mit seinen Dauer- und Unterströmen an visualisierten Assoziationen und Parallelaktionen, szenischem Wühlen in den Psycho-Untergeschossen, an denen dieses Stück unter seiner Kolportage-Außenhaut so besonders reich ist.

Schmal ist der Streifen Himmel über Bergs/Wedekinds Weltgetümmel der Begierden und des Unglücks, momentweise wird er ahnbar, zwischen Lulu und Alwa vielleicht. Geräumig sind dagegen die Höllenkammern des Entsetzlichen:  «Lulu» ist die Geschichte vom «Aufstieg» (in Anführungsstrichen) und zweifellos vom Fall des weiblichen Objekt des Begehrens, an dem sich Männer rächen, dafür, dass sie an ihnen schuldig wurden (Karl Kraus). Sie macht multiplen Missbrauch sichtbar, es gibt aber auch einen unsichtbaren, denn was wirklich geschah im Hause des Dr. Schön, als er die zwölfjährige Blumenverkäuferin in sein Haus nahm, können wir ja nur ahnen. Warlikowski hält diese dunkle Vorgeschichte schmerzhaft wach, ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Holger Noltze

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