Wenn der Himmel weint
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter wie Ian Bostridge dieses fis-Moll-Klagegesangs bemächtigt und ihn, wunderbar intensiv und differenziert von der italienischen Pianistin Saskia Giorgini begleitet, in die Mikrophone haucht.
Bei Bostridge und Giorgini ist «Nebbie» ein herzzerreißendes Lamento, zugleich ist es unerbittlich in seiner Distanziertheit: Kiloschwer schleppen sich die Akkorde übers imaginäre Feld, und so ist auch der Schritt des Sängers, sind es seine Worte, ja ist es seine ganze Existenz. Soffro!
Zum Glück für alle empfindsamen Seelen ist die CD mit Liedern des italienischen Komponisten nicht ausschließlich solchen Leidensoffenbarungen gewidmet. Wie stets bei Respighi mischt sich in den melancholischen Impressionismus eine epikureische Heiterkeit und sonnenlichtdurchflutete, mediterrane Leichtigkeit. Gleich im ersten Lied dieses auch konzeptionell ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Jürgen Otten
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der...
So etwas ist ja nicht nichts, heutzutage, wo Feines, Kleines besonders gefragt scheint. Ein farbenreich abschnurrendes Kammerspiel mit kleinem Orchester, fünf Solistinnen und Solisten auf der Bühne, die in 17 Rollen schlüpfen, Alter und Geschlechter fliegend wechseln, mit einem Wort also hochvirtuos sein müssen, dazu eine «fabelhafte» Handlung eines bestens...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
