Wenn der Himmel weint
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter wie Ian Bostridge dieses fis-Moll-Klagegesangs bemächtigt und ihn, wunderbar intensiv und differenziert von der italienischen Pianistin Saskia Giorgini begleitet, in die Mikrophone haucht.
Bei Bostridge und Giorgini ist «Nebbie» ein herzzerreißendes Lamento, zugleich ist es unerbittlich in seiner Distanziertheit: Kiloschwer schleppen sich die Akkorde übers imaginäre Feld, und so ist auch der Schritt des Sängers, sind es seine Worte, ja ist es seine ganze Existenz. Soffro!
Zum Glück für alle empfindsamen Seelen ist die CD mit Liedern des italienischen Komponisten nicht ausschließlich solchen Leidensoffenbarungen gewidmet. Wie stets bei Respighi mischt sich in den melancholischen Impressionismus eine epikureische Heiterkeit und sonnenlichtdurchflutete, mediterrane Leichtigkeit. Gleich im ersten Lied dieses auch konzeptionell ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Jürgen Otten
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (8.11.) als Präsenzvorstellung geplanten oder als Stream angekündigten Premieren und Festivals des Monats Dezember 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML =...
Mit «Milde» lässt sich das Wort übersetzen, auch mit «Gnade» oder «Nachsicht». Die Augsburger sind, Italienisch-Kundige müssen stark sein, da etwas frei. «La clemenza di Tito» wird hier als «Laune» des römischen Imperators ausgelegt. Der ist auf der Bühne des Martini-Parks nicht immer Respektsperson, vielmehr ein großes Kind, ein aufbrausender, überforderter...
Die Konstellation kommt nicht von ungefähr, sie hat ein Vorbild: ein Paar aus Frau und Mann, verklammert an einem Ort, der Geheimnisse und (vergebliche) Hoffnungen ebenso bereithält wie Offenbarungen. Erkennbar bezieht sich Péter Eötvös in seinem zehnten Musiktheater «Senza Sangue» auf den Einakter «Herzog Blaubarts Burg» seines Landsmannes Béla Bartók. Doch schon...
