Wenn der Himmel weint
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter wie Ian Bostridge dieses fis-Moll-Klagegesangs bemächtigt und ihn, wunderbar intensiv und differenziert von der italienischen Pianistin Saskia Giorgini begleitet, in die Mikrophone haucht.
Bei Bostridge und Giorgini ist «Nebbie» ein herzzerreißendes Lamento, zugleich ist es unerbittlich in seiner Distanziertheit: Kiloschwer schleppen sich die Akkorde übers imaginäre Feld, und so ist auch der Schritt des Sängers, sind es seine Worte, ja ist es seine ganze Existenz. Soffro!
Zum Glück für alle empfindsamen Seelen ist die CD mit Liedern des italienischen Komponisten nicht ausschließlich solchen Leidensoffenbarungen gewidmet. Wie stets bei Respighi mischt sich in den melancholischen Impressionismus eine epikureische Heiterkeit und sonnenlichtdurchflutete, mediterrane Leichtigkeit. Gleich im ersten Lied dieses auch konzeptionell ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Jürgen Otten
Als Opernreformer hat Gluck Musikgeschichte geschrieben. Aber vor dem grundstürzenden «Orfeo» liegt ein langer, zwanzigjähriger Weg – 29 Bühnenwerke, die so gut wie nie aufgeführt werden. Gleich mit seinem Erstling «Artaserse» war er 1741 in Mailand erfolgreich. Es folgten bis 1745 sieben weitere für Italien geschriebene Stücke, meist auf Libretti Pietro...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
Diese Aufführung ist ein Angriff auf alle Sinne. Wer Bertolt Brechts Lehrstück aus dem Jahr 1939 für politisch überholt und seine Vertonung durch Paul Dessau aus dem Jahr 1951 für musikalisch blass hielt, wird durch die Stuttgarter Inszenierung eines Besseren belehrt. Aktuell ist «Die Verurteilung des Lukullus», die bei ihrer Uraufführung an der Ost-Berliner...
