Wenn der Himmel weint

Ian Bostridge und Saskia Giorgini zeigen auf ihrem Album mit Liedern von Ottorino Respighi, wie schön zuweilen das Schreckliche klingen kann

Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter wie Ian Bostridge dieses fis-Moll-Klagegesangs bemächtigt und ihn, wunderbar intensiv und differenziert von der italienischen Pianistin Saskia Giorgini begleitet, in die Mikrophone haucht.

Bei Bostridge und Giorgini ist «Nebbie» ein herzzerreißendes Lamento, zugleich ist es unerbittlich in seiner Distanziertheit: Kiloschwer schleppen sich die Akkorde übers imaginäre Feld, und so ist auch der Schritt des Sängers, sind es seine Worte, ja ist es seine ganze Existenz. Soffro!

Zum Glück für alle empfindsamen Seelen ist die CD mit Liedern des italienischen Komponisten nicht ausschließlich solchen Leidensoffenbarungen gewidmet. Wie stets bei Respighi mischt sich in den melancholischen Impressionismus eine epikureische Heiterkeit und sonnenlichtdurchflutete, mediterrane Leichtigkeit. Gleich im ersten Lied dieses auch konzeptionell ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Jürgen Otten

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