Eisenach, Mozart: Die Zauberflöte

In Eisenach gibt es keine Zauberflöte in der «Zauberflöte». Zwar muss dort drastisch gespart werden, doch in diesem Fall steckt eine Absicht dahinter, wenn das Instrument durch eine Partitur ersetzt wird. Peter Konwitschnys inzwischen weithin anerkannte Meisterschülerin Vera Nemirova hat in ihrer Deutung auch sonst einiges verblüffend «anders» gemacht. Sie beginnt vor der Ouvertüre mit einem Sänger-Casting.

Wenn sie dabei die amüsante Künstlereitelkeit mit der Alltagserfahrung vergeblicher Vorstellungsgespräche überblendet, dann gewinnt die Szene jene Balance zwischen Komik und Ernst, die zum Markenzeichen einer Produktion wird, bei der sogar der bereits weggesparte Chor zu einem makaber witzigen Inszenierungsbestandteil wird. Ein alter Mann mit einem «Chor»-Schild um den Hals oder ein alter Plattenspieler «kommentieren» die Bandeinspielung – am Ende übernehmen dann sogar die Protagonisten diesen Part.
Zuvor flieht Tamino nicht vor einem Ungeheuer, sondern vor der Schlange von Bewerbern, die ihm seine Startnummer 1 neiden. Die Königin der Nacht (mit sicherer Höhe: Alexandra Lubchansky) ist eine blinde Diva, die zwar einen hochtheatralischen Auftritt auf einer kleinen Extra-Bühne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 51
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Bett des Beys

Restauration oder Revolution, das ist hier, gleichsam als Fallbeispiel für die Gattung, die Frage: Glaubt man Heinrich Heine, der Leben und Werk seines Zeitgenossen Gioacchino Rossini mit großem Interesse verfolgte und kommentierte, dann lässt sich Ersteres aus der Musik des genialischen Italieners heraushören; neigt man hingegen der Ansicht Antonio Amores zu, dann...

Frankfurt, Verdi: Macbeth

Paolo Carignani dirigiert in Frankfurt die für Paris 1865 erweiterte Fassung von Verdis «Macbeth». Dabei reibt sich die melodische Suggestion, auf die er setzt, mitunter an einer szenischen Interpretation, für die die schroffere Urfassung angemessener wäre. Aus der so entstehenden gelegentlichen Diskrepanz zwischen Graben und der drastisch aufgerauten Optik auf der...

Utopie und Perfidie

Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur...