Eisenach, Mozart: Die Zauberflöte

Opernwelt - Logo

In Eisenach gibt es keine Zauberflöte in der «Zauberflöte». Zwar muss dort drastisch gespart werden, doch in diesem Fall steckt eine Absicht dahinter, wenn das Instrument durch eine Partitur ersetzt wird. Peter Konwitschnys inzwischen weithin anerkannte Meisterschülerin Vera Nemirova hat in ihrer Deutung auch sonst einiges verblüffend «anders» gemacht. Sie beginnt vor der Ouvertüre mit einem Sänger-Casting.

Wenn sie dabei die amüsante Künstlereitelkeit mit der Alltagserfahrung vergeblicher Vorstellungsgespräche überblendet, dann gewinnt die Szene jene Balance zwischen Komik und Ernst, die zum Markenzeichen einer Produktion wird, bei der sogar der bereits weggesparte Chor zu einem makaber witzigen Inszenierungsbestandteil wird. Ein alter Mann mit einem «Chor»-Schild um den Hals oder ein alter Plattenspieler «kommentieren» die Bandeinspielung – am Ende übernehmen dann sogar die Protagonisten diesen Part.
Zuvor flieht Tamino nicht vor einem Ungeheuer, sondern vor der Schlange von Bewerbern, die ihm seine Startnummer 1 neiden. Die Königin der Nacht (mit sicherer Höhe: Alexandra Lubchansky) ist eine blinde Diva, die zwar einen hochtheatralischen Auftritt auf einer kleinen Extra-Bühne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 51
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
Göttingen, Händel: Atalanta

Wenn zwei Königskinder sich trauen und der König dazu eine Oper bestellt, dann darf das Ganze, dem Anlass gemäß, nicht wild oder gar anstößig geraten. Für Georg Friedrich Händel half da 1736 in London ein Stoff, der uns heute beachtlich albern erscheint. Zwei Paare, die sich ihrer Zuneigung gewiss sind, stellen in zweieinhalb Stunden alles Mögliche an, um genau...

Schöne bunte Kinderwelt

In Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexiko» ist die Musik selbst schon Theater. Das Szenarium des Theaterrevolutionärs Antonin Artaud bildet nur den Ausgangspunkt eines visionären Entwurfs, der die rudimentären Handlungselemente – den Gegensatz von kosmischem und logozentrischem Denken in Gestalt des Aztekenherrschers Montezuma und des spanischen Konquistadors Cortez,...

Im Bett des Beys

Restauration oder Revolution, das ist hier, gleichsam als Fallbeispiel für die Gattung, die Frage: Glaubt man Heinrich Heine, der Leben und Werk seines Zeitgenossen Gioacchino Rossini mit großem Interesse verfolgte und kommentierte, dann lässt sich Ersteres aus der Musik des genialischen Italieners heraushören; neigt man hingegen der Ansicht Antonio Amores zu, dann...