editorial
Dass die Kunst nach dem Gelde geht, war schon zu Lessings Zeiten gängige Praxis. Schon Ende des 18. Jahrhunderts war die Suche nach pekuniären Quellen, sprich: der materiellen Basis jedweder literarischer, musikalischer oder dramatischer Äußerung per se nichts Verwerfliches. Das gilt in besonderem Maße für die Oper, die kostspieligste aller schönen Künste. Stand zunächst die höfische Gesellschaft für den Betrieb gerade, spielten später bürgerliche Gönner bei der Vergabe der notwendigen Mittel die erste Geige.
Schließlich ging der Unterhalt auf den Staat über – jedenfalls in Europa: Qua steuerfinanzierter Subventionen stellte nun die Allgemeinheit Pflege und Erweiterung des Repertoires von Monteverdi bis Messiaen sicher. So weit die Geschichte.
Seit die öffentliche Hand wegen chronisch leerer Kassen den Häusern lieber nimmt als gibt, hat vor allem ein neuer Spendertyp Konjunktur: der private Sponsor. Industrie, Banken oder wohlhabende Individuen, so die Hoffnung, würden die Löcher stopfen, die beamtete Sparkommissare fortwährend in die Etats reißen. Solange die Geschäfte boomten, hatte dieses Kalkül durchaus plausiblen Charme – und Akteure, die die Gunst der Stunde wie die Macht ...
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Was eine Oper sei? Seit den Tagen Monteverdis wird über diese Frage rechtschaffen gestritten; und vor allem die Debatte darüber, ob ein Oratorium fürs Musiktheater tauge oder nicht, hat die Disputanten stets zu neuen Argumenten beflügelt. Im Falle von Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» allerdings schien es bislang Common Sense zu sein, dass dieses letzte der...
Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
Pa...
Der Anfang befremdete wie immer, wenn David Alden den allegorischen Prolog einer frühbarocken Oper inszeniert: La Natura ist ein Mannweib am Filmprojektor, die Ewigkeit ein wasserköpfiges Monster, das Schicksal ein Riesenbaby. Doch die verfließende, auf den Portalschleier eines rot glühenden Gebirges projizierte Slowmotion von Sally Matthews als Calisto deutete...
