editorial

Dass die Kunst nach dem Gelde geht, war schon zu Lessings Zeiten gängige Praxis. Schon Ende des 18. Jahrhunderts war die Suche nach pekuniären Quellen, sprich: der materiellen Basis jedweder literarischer, musikalischer oder dramatischer Äußerung per se nichts Verwerfliches. Das gilt in besonderem Maße für die Oper, die kostspieligste aller schönen Künste. Stand zunächst die höfische Gesellschaft für den Betrieb gerade, spielten später bürgerliche Gönner bei der Vergabe der notwendigen Mittel die erste Geige.

Schließlich ging der Unterhalt auf den Staat über – jedenfalls in Europa: Qua steuerfinanzierter Subventionen stellte nun die Allgemeinheit Pflege und Erweiterung des Repertoires von Monteverdi bis Messiaen sicher. So weit die Geschichte.
Seit die öffentliche Hand wegen chronisch leerer Kassen den Häusern lieber nimmt als gibt, hat vor allem ein neuer Spendertyp Konjunktur: der private Sponsor. Industrie, Banken oder wohlhabende Individuen, so die Hoffnung, würden die Löcher stopfen, die beamtete Sparkommissare fortwährend in die Etats reißen. Solange die Geschäfte boomten, hatte dieses Kalkül durchaus plausiblen Charme – und Akteure, die die Gunst der Stunde wie die Macht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: editorial, Seite 1
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Utopie und Perfidie

Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur...

Eisenach, Mozart: Die Zauberflöte

In Eisenach gibt es keine Zauberflöte in der «Zauberflöte». Zwar muss dort drastisch gespart werden, doch in diesem Fall steckt eine Absicht dahinter, wenn das Instrument durch eine Partitur ersetzt wird. Peter Konwitschnys inzwischen weithin anerkannte Meisterschülerin Vera Nemirova hat in ihrer Deutung auch sonst einiges verblüffend «anders» gemacht. Sie beginnt...

Operraritäten auf DVD

Neben zwei deutschen, einer russischen und einer englischen Oper sind in diesem Rundblick über neue DVD-Veröffentlichungen von Raritäten des Spielplans fünf französische Bühnenwerke vertreten, aber keine einzige italienische Oper! Da scheint es fast, als gäbe es, was das Musiktheater jenseits des Rheins und seine Dokumentation angeht, großen Nachholbedarf, aber...