Schicksalsschläge
Aus der Bühnenschwärze heraus blinken tausende farbige Lichter. Eine Frau im Glitzeranzug tritt durch die zwei spitz zulaufenden LED-Wände. Sie bedient Computer; grüne Zahlenkolonnen hetzen über die Monitore. Sie ist die Herrin über die Algorithmen, über die Daten der Menschen.
Catrin Striebeck führt die Zuschauer dann als Sprecherin durch Strawinskys Kurzoper «Oedipus Rex». Doch in Elisabeth Stöpplers Inszenierung an der Semperoper ist sie weit mehr. Diese Frau kann die Schicksalsmaschine nach Belieben stoppen oder weiterlaufen lassen.
Sie weiß, was war, was ist, was kommen wird. Aber Orakel allein, das bleibt sie nicht.
Zum Schluss, als Oedipus schon völlig verloren ist, seine Frau/Mutter sich selbst gerichtet hat ob des Frevels, da macht er sich zu schaffen an der Infrastruktur des Serverraums. Er zieht dicke Kabelbündel hervor, so lange, bis sie ihn wie eine Python umschlingen. Doch dass Oedipus die Meta-Ebene angreift, lässt sich die Herrin nicht gefallen. Er darf nicht ausbrechen aus seinem Schicksal. Seine Daten gehören ihr. Also übernimmt sie selbst und sticht ihm die Augen aus. Aus welchem Äther jedoch die alten Männer und Kinder in Feinripp-Unterwäsche kommen, die ...
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