Schicksalsschläge
Aus der Bühnenschwärze heraus blinken tausende farbige Lichter. Eine Frau im Glitzeranzug tritt durch die zwei spitz zulaufenden LED-Wände. Sie bedient Computer; grüne Zahlenkolonnen hetzen über die Monitore. Sie ist die Herrin über die Algorithmen, über die Daten der Menschen.
Catrin Striebeck führt die Zuschauer dann als Sprecherin durch Strawinskys Kurzoper «Oedipus Rex». Doch in Elisabeth Stöpplers Inszenierung an der Semperoper ist sie weit mehr. Diese Frau kann die Schicksalsmaschine nach Belieben stoppen oder weiterlaufen lassen.
Sie weiß, was war, was ist, was kommen wird. Aber Orakel allein, das bleibt sie nicht.
Zum Schluss, als Oedipus schon völlig verloren ist, seine Frau/Mutter sich selbst gerichtet hat ob des Frevels, da macht er sich zu schaffen an der Infrastruktur des Serverraums. Er zieht dicke Kabelbündel hervor, so lange, bis sie ihn wie eine Python umschlingen. Doch dass Oedipus die Meta-Ebene angreift, lässt sich die Herrin nicht gefallen. Er darf nicht ausbrechen aus seinem Schicksal. Seine Daten gehören ihr. Also übernimmt sie selbst und sticht ihm die Augen aus. Aus welchem Äther jedoch die alten Männer und Kinder in Feinripp-Unterwäsche kommen, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich sollte die «Kacke», wie eine Presseagentur mit Feinsinn anmerkte, im nächsten Jahr so richtig «am Dampfen» sein. Denn dann wollte der amerikanische Rauschebart und Universalkünstler Paul McCarthy, bekannt durch seine Kapitalismuskritik sowie unter anderem durch seine (kapitalistisch grundierten) Pimmel- und Fäkal-Exzesse, den hippen Schwerpunkt für die...
Was man denn bevorzuge? Ein Fragebogen findet sich irgendwann im Mail-Eingang, «mehrfaches Ankreuzen sehr erwünscht»: Schubertiade? Kindergeburtstag? Fußbad? Zuhören und/oder Mitsingen? «Regno della musica – Terra», das zielt quasi auf Kunst à la carte. Ortstermin in der Münchner Fürstenstraße also. Man schaut einer temporären WG beim Proben und Kochen zu, führt,...
Als «Das Schloss Dürande», die letzte Oper Othmar Schoecks, im Frühjahr 1943 in der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben wurde, kam es zu Aufwallungen. Dass er sich für seine Uraufführung, tatkräftig unterstützt durch den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart, mitten im Krieg mit dem ersten Opernhaus im nationalsozialistischen Deutschland zusammengetan und, mehr...
