Rettungsversuch
Als «Das Schloss Dürande», die letzte Oper Othmar Schoecks, im Frühjahr 1943 in der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben wurde, kam es zu Aufwallungen.
Dass er sich für seine Uraufführung, tatkräftig unterstützt durch den Winterthurer Mäzen Werner Reinhart, mitten im Krieg mit dem ersten Opernhaus im nationalsozialistischen Deutschland zusammengetan und, mehr noch, dass er mit dem ebenfalls von Reinhart geförderten Hermann Burte einen Librettisten beigezogen hatte, der für seine völkische Einstellung bekannt war, brachte den damals 56-jährigen Komponisten in eine schwierige Lage. Das Werk fiel hochkant durch und geriet alsbald in Vergessenheit, woran auch ein Wiederbelebungsversuch durch den Dirigenten Gerd Albrecht 1993 nichts änderte. Der Ruf des Komponisten war bis weit über seinen Tod 1957 hinaus ramponiert.
Deshalb war auch schwer abzuschätzen, worum es sich bei der umstrittenen, von mancher Seite jedoch als musikalisches Meisterwerk benannten Oper handelt. Jetzt hat sich Mario Venzago ihrer angenommen. Dem Chefdirigenten des Berner Symphonieorchesters, eines tapferen (und erfolgreichen) Streiters für die Musik Schoecks und eines Interpreten mit sehr prononcierten ...
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Mit der Uraufführung von Toshio Hosokawas Oper «Erdbeben. Träume» (siehe Seite 18) ist an der Oper Stuttgart nicht nur die Intendanz Jossi Wielers, sondern zugleich die Ära einer künstlerischen Kontinuität zu Ende gegangen – die des Regisseurs Jossi Wieler und des Dramaturgen Sergio Morabito, die das Haus für ein Vierteljahrhundert prägte. 36 gemeinsame...
Teilweise wird die Bologneser Neuproduktion von Verdis «Don Carlo» (in der vieraktigen Mailänder Fassung von 1884) den hohen Erwartungen ja vollauf gerecht: zum Beispiel in Sachen Stimmqualität. Die berüchtigte Ensembleoper erfordert erstklassige Solisten in sechs Hauptrollen, am Teatro Comunale mangelt es in der Hinsicht an nichts. Und wenn Noch-Chefdirigent...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
