Opferrituale

Verdi: Aida in München

Opernwelt - Logo

Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen Aida und dem ägyptischen Heerführer Radamès so berührend schlicht und unspektakulär genau erzählt, dass die ungewohnte Geradlinigkeit beim Münchner Premierenpublikum schon wieder heftige Ablehnung hervorrief.

Man hätte dankbar dafür sein müssen, einmal keinen historischen Nachhilfeunterricht erteilt, aber auch keine politisch korrekte Aktualisierung oktroyiert zu bekommen, sondern die Geschichte so zu erleben, wie sie von Verdi gemeint und komponiert ist: als Zusammenprall des individuellen Glücksbegehrens mit der vernichtenden Gewalt gesellschaftlicher Ordnung. Und das ist etwas, was sich überall, auch hier und heute, zutragen kann.
Jens Kilians Szene – hohe, schmucklos nüchterne Mauern, die auf der Drehbühne ständig neue Orte und Räume freigeben – sowie Ilse Welter-Fuchs’ ganz auf den Kontrast von Schwarz und Weiß ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kühne Wahl

Lord Ashburton, Schirmherr der Grange Park Opera, arbeitete 39 Jahre lang als Investment Banker. In seinem Geleitwort zur aktuellen Spielzeit spricht er vor allem von der Finanzkrise. Das von Wasfi Kani seit zwölf Jahren geleitete Festival in Hampshire ist nur
lebensfähig, wenn sich die Karten (aktuell zu Preisen zwischen 50 und 115 Pfund) verkaufen lassen und...

Klangzauber

Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...

Leerlauf in Metropolis

Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit...