Drama eines Außenseiters

Tschaikowsky: Pique Dame in Kiel

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Eine russische National- und Folkloreoper oder doch eher das Selbstbekenntnis eines großen Einsamen? Sandra Leupold hat in ihrer Kieler Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame» diesen letzteren Ansatz konsequent weitergedacht und das Geschehen ganz auf das Drama um den Außenseiter Hermann fokussiert, in dem die Regisseurin eine Projektion des Komponisten sieht.

Immer wieder Bilder, die Hermann auf der schwarz umkleideten Bühnenschräge mit einer schwarz gewandeten, anonymen Masse Mensch konfrontieren – streng, düster, bedrohlich, in einer auf Wesentliches reduzierten Choreografie, die an die mit hartem Strich gezeichneten szenischen Visionen einer Ruth Berghaus erinnern. Keinerlei ablenkende Tändelei, auch nicht im zweiten Bild mit den Gesängen Lisas und Polinas im Kreis ihrer Freundinnen oder beim Fest des mit Lippenstift-Schminke nur angedeuteten Maskenballs, wo die nostalgisch historisierende Pantomime konsequenterweise gestrichen ist. Eine Inszenierung, die dem Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration abverlangt, ihm aber auch ungewöhnlich tiefe Einblicke gewährt in die seelischen Abgründe eines Menschen, der sich in seinem Anderssein von der Gesellschaft nicht akzeptiert ...

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Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhart Asche

Vergriffen
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