Reise zum Ich
Es gibt einen Moment in dieser Inszenierung, an dem sich Opernhandlung und Künstlerbiografie berühren: Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Paul Zoller zeigen Menschen mit Koffern auf einem Ozeandampfer – jedenfalls lässt sich in dem mit stilisierten Rettungsringen ausgestatteten Treppenturm, der im zweiten Bild die Szene dominiert, eine Schiffsreling erkennen. Das Reich der Eiskönigin scheint in der Neuen Welt zu liegen, die Reisenden kommen in der Hoffnung an, hier eine bessere Zukunft zu finden.
Jaromír Weinberger ist das nicht gelungen.
Der 1896 in Prag geborene Komponist flüchtete vor dem Naziregime in die USA, konnte hier aber künstlerisch nicht Fuß fassen, trotz seines Welterfolgs «Schwanda, der Dudelsackpfeifer», der 1931 auch an der Metropolitan Opera New York gespielt worden war. 1967 nahm er sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.
Weitere Bezüge zu Weinbergers Biografie oder zur Zeitgeschichte aber sucht Homoki nicht. An der Komischen Oper, deren Intendant er bis 2012 war, deutet er die Handlung als Reise des Titelhelden zu sich selbst: Eigentlich lebt Schwanda zufrieden in ländlicher Idylle mit seiner Dorotka. Vom windigen Babinsky aber – der sich als ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Frederik Hanssen
Es ist nicht überliefert, ob Emilia Marty, diese durch und durch erstaunliche Frau, eine eifrige Leserin der Schriften von Søren Kierkegaard war. Genügend Gründe, sich zumindest in eines seiner Traktate zu vertiefen («Die Wiederholung» von 1843), hätte die gute Emilia jedoch auf jeden Fall gehabt. Denn dortselbst findet sich ein Satz, der ziemlich genau beschreibt,...
Die Hörner besingen die Magie des Waldes. Langsam fährt die Kamera im Video von Philipp Contag-Lada während des Vorspiels den Bergwald hinunter, und schon stehen die Bäume in Flammen. Der Wald brennt. Weiter unten sieht man verkohlte Stämme, unter denen Hänsel und Gretel in einer notdürftigen Unterkunft mit den Eltern hausen. Regisseur Axel Ranisch macht von Anfang...
Tora Augestad ist nicht zu fassen. Ein bisschen erinnert eine Begegnung mit ihrer Kunst an die Erkundung von Herzog Blaubarts Schloss: Mehrere «Türen» gibt es da, die man ganz behutsam öffnet, im Glauben, endlich auf den Schatz (oder zumindest auf irgendeine Erkenntnis) zu treffen, um dann doch jedes Mal ziemlich überrascht davon zu sein, was man in den Räumen...
