Reise zum Ich

Weinberger: Schwanda, der Dudelsackpfeifer BERLIN | KOMISCHE OPER

Opernwelt - Logo

Es gibt einen Moment in dieser Inszenierung, an dem sich Opernhandlung und Künstlerbiografie berühren: Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Paul Zoller zeigen Menschen mit Koffern auf einem Ozeandampfer – jedenfalls lässt sich in dem mit stilisierten Rettungsringen ausgestatteten Treppenturm, der im zweiten Bild die Szene dominiert, eine Schiffsreling erkennen. Das Reich der Eiskönigin scheint in der Neuen Welt zu liegen, die Reisenden kommen in der Hoffnung an, hier eine bessere Zukunft zu finden.

Jaromír Weinberger ist das nicht gelungen.

Der 1896 in Prag geborene Komponist flüchtete vor dem Naziregime in die USA, konnte hier aber künstlerisch nicht Fuß fassen, trotz seines Welterfolgs «Schwanda, der Dudelsackpfeifer», der 1931 auch an der Metropolitan Opera New York gespielt worden war. 1967 nahm er sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.

Weitere Bezüge zu Weinbergers Biografie oder zur Zeitgeschichte aber sucht Homoki nicht. An der Komischen Oper, deren Intendant er bis 2012 war, deutet er die Handlung als Reise des Titelhelden zu sich selbst: Eigentlich lebt Schwanda zufrieden in ländlicher Idylle mit seiner Dorotka. Vom windigen Babinsky aber – der sich als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Editorial 4/22

Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....

Voyeure des Grauens

Gleich vorweg: Der Mann taucht nicht auf. Weder allein noch vervielfältigt noch in der Begegnung mit seiner Schöpfung und seinen Figuren. So, wie es bei Stefan Herheim eigentlich Sitte ist, man denke nur an Tschaikowsky und «Pique Dame» oder Offenbach und «Hoffmanns Erzählungen». Auch die Überblendung von Stück, Aufführungsort, Werkhistorie und biografischem...

Herr, du bist mein Hirte

Anzukündigen ist die verspätete Weltpremiere einer Oper, die vermutlich kein Musikfreund bisher auch nur dem Titel nach kannte: «Der Künder» von Antal Doráti. Er zählte zu den großen Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts (und mit über 600 Einzel-Titeln auch zu den auf Schallplatten bestdokumentierten), aber er hat auch als Komponist ein stattliches Œuvre...