Sängerfest
Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief ins Auge blicken: Seine Auserwählte liebt Sifare, und der liebt sie. Das tut, unpassenderweise, aber auch sein Bruder Farnace, dem eigentlich die schöne Ismene zugedacht war ...
Das Drama nimmt seinen Lauf – und endet, wie sollte es anders sein, mit der clemenza des humanen Herrschers. Die Kunst des Verzeihens triumphiert über das reine Begehren.
2016 kam die Inszenierung von Clément Hervieu-Léger am Théâtre des Champs-Elysées heraus (siehe OW 4/2016). Ein Theater auf dem Theater, mit racineskem Einschlag, psychologisch plausibel, letztlich aber ein bisschen fade. Sieht man nun das Ergebnis, den Live-Mitschnitt der Vorstellung am 20. Februar 2016, stört das nicht besonders. Denn die Solisten sind fast ausschließlich von erlesener Güte. Allen voran Sabine Devieilhe als Ismene. Nicht nur, dass ihr Sopran sternenklar ...
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Viel ist derzeit vom «Clash of Civilizations» (Samuel Huntington) die Rede, vollends von der ominösen «Leitkultur»: Beide Begriffe werden hochgezwirbelt, obwohl – oder vielleicht gerade deshalb – niemand so recht weiß, was unter ihnen zu verstehen ist. Es geht nicht nur um die Probleme des und mit dem Islamismus, auch der «Kalte Krieg» scheint wiederbelebt. In...
Ein biografischer Bezug? Den gibt es sogar im Fall von Oberammergau. 1871 reiste Richard Wagner zum Passionsspiel, ließ sich fürs eigene Œuvre inspirieren, von der Landschaft hinreißen. «Hier ist alles über jede Beschreibung hinaus schön», notierte er. Doch eigentlich braucht das Holzschnitzerdorf, inmitten der alle zehn Jahre stattfindenden Kreuzigungsspektakel,...
Als das Opernhaus Zürich – lang ist’s her – noch Stadttheater hieß, wurde dort auch die «Silberne Operette» gehegt. Mancher kennt heute noch den Namen des Haustenors, der unbeschreiblich populär gewesen sein muss. Er hieß (oder nannte sich) Max Lichtegg und war Pole. Vielleicht erinnern sich die ganz alten Herrschaften jetzt an ihn. Denn sein polnischer Nachfahre...
