Mätzchenfrei
Ein biografischer Bezug? Den gibt es sogar im Fall von Oberammergau. 1871 reiste Richard Wagner zum Passionsspiel, ließ sich fürs eigene Œuvre inspirieren, von der Landschaft hinreißen. «Hier ist alles über jede Beschreibung hinaus schön», notierte er. Doch eigentlich braucht das Holzschnitzerdorf, inmitten der alle zehn Jahre stattfindenden Kreuzigungsspektakel, längst auch Musik- und Theaterort, keine Zitate, um den jüngsten Streich zu rechtfertigen.
Entscheidend für den «Fliegenden Holländer» im Passionstheater war vor allem zweierlei: ein Chor, der sich bis auf ein paar Profiverstärker aus Laien zusammensetzt, sowie ein Regisseur, der Mitspieler, Sponsoren und Publikum regelmäßig entzündet.
Christian Stückl, Oberammergauer, Passionsspielleiter, Intendant des Münchner Volkstheaters mit gelegentlichem Hang zum Musikdrama, beweist nach zwei «Nabucco»-Sommern nun: Oper hat ihren Platz unterm Kofel. Der Rezeptionsgeschichte Neues hinzuzufügen, war nicht beabsichtigt. Stückl erzählt klar, nachvollziehbar, mätzchenfrei – und spielt damit seine Trümpfe als Animateur, Motivator und Basisarbeiter aus. Sämtliche Zutaten sind vorhanden: Matrosen in Ölzeug, eine Geistermannschaft mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Viel ist derzeit vom «Clash of Civilizations» (Samuel Huntington) die Rede, vollends von der ominösen «Leitkultur»: Beide Begriffe werden hochgezwirbelt, obwohl – oder vielleicht gerade deshalb – niemand so recht weiß, was unter ihnen zu verstehen ist. Es geht nicht nur um die Probleme des und mit dem Islamismus, auch der «Kalte Krieg» scheint wiederbelebt. In...
Als das Opernhaus Zürich – lang ist’s her – noch Stadttheater hieß, wurde dort auch die «Silberne Operette» gehegt. Mancher kennt heute noch den Namen des Haustenors, der unbeschreiblich populär gewesen sein muss. Er hieß (oder nannte sich) Max Lichtegg und war Pole. Vielleicht erinnern sich die ganz alten Herrschaften jetzt an ihn. Denn sein polnischer Nachfahre...
Vor elf Jahren war’s, bei «Mozart 22», der Gesamtschau zu dessen 250. Geburtstag in Salzburg. Festspielintendant Peter Ruzicka hatte die Idee, das Singspielfragment «Zaide» mit einem heutigen Pendant zu verbinden, die israelische Komponistin Chaya Czernowin lieferte «Adama» hinzu. Der Titel ist eine hebräisch-arabische Worterfindung aus den Begriffen für Erde, Blut...
