Routiniert und inspiriert

Donizettis «L’elisir d’amore» aus Paris und Macerata auf DVD

Dass Donizettis «Liebestrank» auf der Szene schwieriger zu mischen ist als der Trank Isoldes, auf den sich der Titel bezieht, merken viele Regisseure erst, wenn sie ihre Arbeit beendet haben. Die Komödie mit der «heimlichen Träne» hat nämlich mehr Tiefgang, als ihr Plot auf den ersten Blick vermuten lässt.
Laurent Pelly, der sich mit seinen Offenbach-Inszenierungen und seiner Londoner «Regimentstochter» als ein Meister des heiteren Musiktheaters ausgewiesen hat, wurde bei seiner Pariser Produktion dieser Oper von Witz und Ironie anscheinend im Stich gelassen.

In einer Szenerie, die von einer überdimensionalen Heuburg dominiert wird, fährt Dulcamara mit einem großen Transportwagen auf die Szene, Adina benutzt das Fahrrad, ein Traktor schafft des Weiteren ländliches Kolorit. Die Kostüme erinnern an den Neorealismus der fünfziger Jahre. All das ist mit dieser Oper zu machen, aber Pelly zieht keinen Nutzen aus diesen konkreten Bezügen, sondern hangelt sich mit billiger Spielastik durch das Stück, produziert unentwegt «lustige» Einfälle, die jeder routinierte Provinz-Regisseur aus dem Ärmel schüttelt.
Dabei bleibt die Führung des Chores überwiegend schablonenhaft und die Zeichnung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 25
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verwüstungen der Liebe

«Die Schrecken der Oper sind süß», heißt es in Heiner Müllers «Quartett». Es war die Idee des Regisseurs Thomas Bischoff, zwischen Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Schönbergs «Erwartung» eine Kurzversion von Heiner Müllers Schauspiel «Quartett» zu setzen und so den Reigen der Paare, der als knallbunter Werbefoto-Fries den Abend begleitet, bis in die...

Unerlöst

Endlich singt Bryn Terfel in London wieder Wagner. Die ersten zyklischen Aufführungen von Keith Warners «Ring» im September 2007 gingen bekanntlich ohne ihn über die Bühne – eine riesige Enttäuschung, zumal die Produktion stark auf seinen Wotan zugeschnitten war. Jetzt meldete er sich mit einer Rolle an Covent Garden zurück, die er unlängst für die Welsh National...

Bieito, der Biedermann

Auf Bildern ist Marisol Montalvo eine perfekte Lulu. Im Programmheft findet man die dunkelhäutige Schönheit: schlank, unbezähmbar, mit wild funkelnden Augen und irrem Lachen, überwältigt von Lust, ganz hingegeben an den Moment, kindlich und doch höchst gefährlich. Und denkt: Wer sonst als sie sollte die Lulu singen, dieses mythische Frauenwesen, diese...