Rossini: Il viaggio a Reims
Wo die Handlung zum Gerüst schrumpft, hat die Regie freie Hand, eigene Geschichten zu erfinden. Und genau dies tut die junge französische Regisseurin Mariame Clément in der Berner Inszenierung von Rossinis «Viaggio a Reims» mit großer Fantasie. Vor allem ist jede Geste, jede der ständig wechselnden Personenkonstellationen bis in die Details virtuos gearbeitet, ohne sich in Wiederholungen zu verlieren.
Die Spiellust, mit der nicht allein die Protagonisten sondern auch die sorgsam ins Räderwerk eingefügten kleinen Partien, die Statisten sowie der Chor agieren, hinterlässt beim sichtlich amüsiert mitgehenden Publikum Spuren. Dabei gelingt es Clément und der Bühnen- und Kostümbildnerin Julia Hansen, ohne gewaltsame Aktualisierung das Geschehen ins Heute zu transferieren. Das Badehotel «Il Ciglio d’Oro», in dem eine international zusammengesetzte Reisegruppe vergeblich auf die Kutsche wartet, die sie zur Königskrönung nach Reims bringen soll, ist zum Großraumflugzeug einer Gesellschaft gleichen Namens mutiert. In diesem werden nicht nur die unterschiedlichen Klassen als solche behandelt, sondern sind auch sämtliche noch so überdreht wirkenden Launen und Schrullen sehr real und ...
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