Rossini: Der Barbier von Sevilla
Rossinis «Barbiere» wird, allen unter der heiteren Oberfläche verborgenen Abgründen zum Trotz, gern auf den Boulevard der unbekümmerten Lustbarkeiten geschickt. Wer Doktor Bartolo als gockeligen Trottel vorführt, Rosina als ein in Liebesdingen vollreifes Girlie präsentiert, Almaviva zum flotten Freier stilisiert und in Figaro die auf Verkupplungsgeschäfte spezialisierte Frohnatur erblickt, hat die Lacher auf seiner Seite.
Auf die Karte einer vornehmlich mit Slapstick-Effekten operierenden Pop-Commedia, die das 1816 uraufgeführte Stück aus dem Kontext der frühindustriellen Revolution in die medial formatierte Bilderwelt unserer postindustriellen Gegenwart katapultieren soll, setzen nun Timothy Coleman (Regie), Matthias Nitsche (Bühne) sowie Andreas Meyer und Wolfgang Scharfenberger (Kostüme) im Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier. Kai Tietje, der sich vor allem als Kapellmeister der wieder einmal zur Disposition gestellten Neuen Philharmonie Westfalen (siehe Kommentar) beherzt für den Unterhaltungswert der von Beaumarchais geborgten Story engagierte, und die Hausdramaturgin Wiebke Hetmanek hatten dem Inszenierungsteam eine in knackigem Jargon gehaltene deutsche Fassung des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Osnabrück koppelte Henzes selten gespielten Opernerstling «Das Wundertheater» und Ravels musikalisches Märchen «L'Enfant et les Sortilèges» zu einem originellen Doppelabend. Henze hat in der 1948 uraufgeführten Kammeroper (gespielt wurde die Fassung für Sänger aus dem Jahr 1964) geschickt den von Cervantes stammenden Text mit einem politischen Widerhaken...
Die Chemnitzer Oper schreckt die Nähe zur Strauss-Hochburg Dresden offenbar nicht wirklich. Nach der Wagner-Herausforderung riskiert man auch die mit Richard Strauss. Dass «Arabella» alles andere als eine angekitschte Katastrophe wurde, liegt vor allem an der Robert Schumann Philharmonie. Deren Chef Niksa Bareza weiß klug zu dosieren, versteht sich aufs...
Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Libretto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Komponisten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus...
