Ritual und Rätsel
Lustwandeln, sich den Klängen, dem Raum, dem gedämpften Licht überlassen, das ginge auch. Aber dann verpasst man etwas; an manchen Stellen des Münchner Utopia, der ehemaligen Reithalle am Rande des Zentrums, tut sich schließlich Entscheidendes. Wie etwa der riesenhafte Corey Scott-Gilbert unter Zuckungen und Krämpfen das Wachsen einer Kiefer nachspielt, dem altasiatischen Symbol für Langlebigkeit und Fruchtbarkeit. Wie sich die Schwestern Matsukaze und Murasame am anderen Ende der Halle symbolisch waschen.
Oder wie sich Thomas Schmauser als oberkörperfreier Mönch in einer Salzkiste windet.
2011 wurde Toshio Hosokawas «Matsukaze» in Brüssel uraufgeführt. Die auf dem Nō-Theater basierende Kammeroper verweigert sich dramaturgischer Stringenz, ist vielmehr eine Meditation über Vergänglichkeit, Nicht-loslassen-Können, über (lebensbedrohliche) Wünsche und das Akzeptieren der Realität. Ein Mönch trifft in einem Salzhaus am Strand auf zwei Schwestern, die auf Yukihira warten, ihren früheren Geliebten. Es ist eine Begegnung mit der Vergangenheit, die Frauen sind längst tot. Handlung wird zum Ausgangspunkt für ein 80-minütiges Gespinst am Rande des Geräuschs und der Stille, zwischen ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an,...
Sie habe das Stück «von einem eher langsamen Märchen in einen rasanten und brutalen Thriller verwandelt», schickt die Regisseurin ihrer Inszenierung voraus. Katie Mitchell hat also das Märchen gestrichen. Es wird nicht durch die Luft geflogen, es gibt keine prächtig bedeutungsgeladenen Traum-Architekturen; nur dass Keikobads Leute Wolfsoder Vogelköpfe tragen, ist...
