Sozialismus im Christentum
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss ein Zufall gewesen sein (für diese Annahme braucht es nicht einmal das berühmte Bielefeld-Bashing).
Kein Zufall ist, dass Martinůs lange Zeit wenig bekanntes, 2023 aber bei den Salzburger Festspielen aus dem Schatten getretenes Stück jetzt an gleich zwei Häusern herauskam: neben Bielefeld auch in Hannover. Womit man wieder beim Begriff vom«Stück der Stunde» wäre. Vorderhand ist es die Flüchtlingsproblematik, die zur Aktualität der «Greek Passion» beiträgt. Der eigentliche Kern des Werks liegt aber in der Frage, wie eine Gesellschaft mit dem moralischen Druck umgeht, den die Ankunft von Flüchtlingen erzeugt. Was den Druck hier zusätzlich erhöht: Es sind Landsleute, die der Hilfe bedürfen, aus der Türkei vertriebene Griechen, die in ihre Heimat, zu ihrer Herkunft zurückkehren. Die Oper, die auf Nikos Kazantzakis’ Roman «Der ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Clemens Haustein
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