Repertoiretauglich
Die Geschichte der Opera buffa setzt bekanntlich mit den komischen Intermezzi ein, die in den Pausen ausladender heroischer Opern gegeben wurden. Pergolesis «La serva padrona» ist ein Modellfall der Gattung. Aber auch «Pimpino-ne» wird in der Version von Telemann (1725) noch heute gelegentlich gespielt. Allerdings ist diese deutsche Variante nichts anderes als ein Remake eines früheren Stücks von Tommaso Albinoni (1708): Die Magd Vespetta wird hier durch List und Schmeichelei zur Herrin.
Ihre vorher zur Schau gestellte Sanftmütigkeit, Frömmigkeit und Unterwürfigkeit schlägt nach der Eheschließung in Biestigkeit, Koketterie und Herrschsucht um. Ein Thema, das die Opera buffa bis in ihre Ausläufer im 19. Jahrhundert begleitet. Prominentestes Beispiel: Donizettis «Don Pasquale».
«La Dirindina» (1715) von Domenico Scarlatti führt eine Gesangselevin vor, die eine Lektion fürs Leben beigebracht bekommt: Die Kunst, sich zu vermarkten, verspricht mehr Erfolg als eine solide musikalische Ausbildung. Das komische Ende der kleinen Farce besteht darin, dass der brave Musiklehrer eine szenische Probe, die sein Widersacher mit seinem Schützling durchführt, für bare Münze nimmt. Musikalisch ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Nach 1840 schlitterte die gute alte komische Oper in die Krise. Nicht erst Verdis «Falstaff», auch schon Wagners «Meistersinger» oder Donizettis «Don Pasquale» sind Komödien zweiten Grades. Spontaner Humor scheint nicht mehr zu funktionieren, die Komik verbirgt sich hinter einem Schleier von Anspielungen und Brechungen aus historischer Distanz.
Ein herausragendes...
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
Jene gesottenen Wagnerianer, die das Œuvre ihres Meisters von allen anderen Opernwelten abheben, ihm eine höhere Dimension von Geistigkeit, Philosophie, ja Quasi-Religion zuweisen, scheinen so gut wie ausgestorben, und so gehören Wagner-Premieren inzwischen zur Theater-Normalität – emphatisch gesagt: zur Normalität permanenter äußerster Anspannung aller...
