Die letzte Nacht
Es entfaltet Sogwirkung, das Stück über John F. Kennedy, das David T. Little und sein Librettist Royce Vavrek für die Fort Worth Opera geschrieben haben. Umfangreicher und zugleich intimer als der Rockmusik-getränkte Dreiakter «Dog Days» (2012) gibt sich die neue Oper: In «JFK» werfen Little und Vavrek konventionelle Erzählstrukturen über Bord, um die Unerbittlichkeit des Schicksals sowie das Innenleben der Figuren auszuloten.
Schauplatz ist das Hotel in Fort Worth, in dem der US-Präsident und seine Gattin die Nacht vor dem Attentat von Dallas verbringen.
John halluziniert unter dem Einfluss des Morphiums, das er gegen seine Rückenschmerzen einnimmt, und durchlebt seine tiefsten Ängste und Unsicherheiten. Jackie kämpft gegen eigene Dämonen; grübelt über ihre Ehe und betrauert den Verlust zweier ihrer Kinder. Am nächsten Morgen machen John und Jackie sich zur Abfahrt bereit – doch die eigentliche Tragödie spart die Oper aus. Umso eindringlicher vermittelt sich die landesweite Schockstarre nach dem Attentat. Ein zusätzliches Figurenduo verkörpert die Schicksalsmächte, dann ein Zimmermädchen und einen Geheimagenten, schließlich Clara und Henry, ein Paar aus dem Umfeld des ebenfalls ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Heidi Waleson
Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in...
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre....
