Reizharmonie
Mit Holsts «Savitri» begann es, und Holst-Sinfonietta hieß fortan auch das Orchester. Waltons «Bär» folgte, Korngolds «Stumme Serenade», Brittens «Rape of Lucretia» und «Noye’s Fludde», aber immer auch Zeitgenössisches: Rihms «Jakob Lenz», Anno Schreiers «Kein Ort. Nirgends» oder Claude Viviers «Kopernikus». Eines springt allemal ins Auge: Was die Freiburger Young Opera Company (YOC) in ihren bis dato 20 Jahren auf die Bühne brachte, war stets das Besondere, die Rarität abseits vom Mainstream.
Jüngst, zum kleinen Jubiläum, war’s nicht anders.
Mehr als 70 Leute kamen für «Die drei Rätsel» hinter, vor und auf der Bühne zusammen: Detlev Glanerts Oper «für Kinder und Erwachsene» vom rotzig-kessen kleinen Lasso und der mutig eroberten Prinzessin Scharada bedeutete vom Aufwand her einen Rekord. Gut drei Dutzend Jungmusiker leisteten im E-Werk exzellente Arbeit. Gesteuert wurden sie so punktgenau wie abgestuft vom findig-klugen YOC-Prinzipal Klaus Simon (46). Zur Geltung kam, was Glanert ausmacht: Das sind die vorherrschende Melodie und die kleinen Widerhaken darin, die Reizharmonien und der pulsierende Rhythmus, die Mischung aus post-Offenbach’scher Pikanterie und post-Weill’scher ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Heinz W. Koch
Die erstaunlichste Erkenntnis beim Braunschweiger «Propheten» (wieder einmal): Die großen Opern Giacomo Meyerbeers sind zu machen, auch an Stadttheatern. Die Chorszenen packen unmittelbar. Die Partitur ist reich an Ohrwürmern. Nach 90 Minuten, sprich: nach dem dritten Akt, geht das in der zweiten Vorstellung nicht übermäßig zahlreiche Publikum den Triumphmarsch...
Frisch durchgeschmust sitzt Katerina Ismailowa auf der Bettkannte und singt: «Na warte!». Sie meint damit nicht ihren Liebhaber Sergej und kündigt auch nicht an, dass ab jetzt entschieden zurückgeschmust würde. Nein, sie meint ihren Mann Sinowi, dessen Schritte sie hört und den sie gar nicht mehr gebrauchen kann in ihrem Leben. «Na warte!», heißt so viel wie: «Dich...
Der Wunsch, von den Visionen wie Zumutungen des Regietheaters endlich verschont zu werden, scheint groß zu sein. Anders lässt sich der rauschende Publikumserfolg der einfallslos-sterilen Inszenierung von Verdis früher Oper «Giovanna d’Arco» durch das Videoduo fettFilm in Bonn nicht erklären. Momme Hinrichs und Torge Møller verorten die Geschichte der Jeanne d’Arc,...
