Rüschen, Thesen, Maskeraden
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk als Referenz. Das moderne «Regietheater» ist freilich auch an diesem Renommierstück nicht spurlos vorbeigegangen.
Mittlerweile scheinen die alten um die Bühne ausgetragenen Kämpfe ausgefochten, halten sich Respekt vor dem Werk und szenischer Eigensinn die Waage. In Altenburg, Kassel und Weimar jedenfalls war das jüngst zu beobachten – ambitionierte Bemühungen um ungeahnte Perspektiven auf ein wohlbekanntes Stück, die auch von einem überwiegend konservativen Publikum akzeptiert wurden.
Altenburg: Octavian als Todesengel
Die Altenburger Inszenierung Alexander von Mayenburgs baut auf einer leicht verwegenen Idee auf. Octavian erscheint hier als Todesengel, der auf einer Barke ins Schlafgemach der Marschallin einfährt. Die weiß wohl, worauf sie sich eingelassen hat, denn die Kralle, die seinen linken Arm verunziert, nimmt sie ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Ekkehard Pluta & Wolfgang Schreiber
In Gottes Namen? Ständig schleicht einer an diesem Abend chez Gluck im Theater an der Wien über die Bühne, in schwarzem Outfit und Priesterkollar wie ein perfider Militärpfaffe, lauernd, mit bösem Lächeln, eingeschlossen in den Bleirahmen höflicher Gefährlichkeit. Stets trägt er Handschuhe – um keine Spuren zu hinterlassen? Denn es obliegen ihm die notwendigen...
Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz», Geniestreich des 27-Jährigen, deren Handlungsgerüst Georg Büchners Erzählung folgt, gehört seit ihrer Uraufführung 1979 zu den meistgespielten Werken des modernen Musiktheaters. Ihr Erfolg beruht nicht zuletzt auf der moderaten Besetzung – drei Solisten, elf Instrumentalisten, sechs Vokalstimmen –, die auch kleineren Häusern...
Die erstaunlichste Erkenntnis beim Braunschweiger «Propheten» (wieder einmal): Die großen Opern Giacomo Meyerbeers sind zu machen, auch an Stadttheatern. Die Chorszenen packen unmittelbar. Die Partitur ist reich an Ohrwürmern. Nach 90 Minuten, sprich: nach dem dritten Akt, geht das in der zweiten Vorstellung nicht übermäßig zahlreiche Publikum den Triumphmarsch...
