Kein Feuer, kein Scheiterhaufen
Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel signifikant geriet.
«Meist sind die Stimmen unfreundlich, oft anklagend, sie werfen den Kranken Vergangenes vor, unabhängig davon, ob es sich tatsächlich abgespielt hat oder nicht.
Sie erteilen Befehle oder kommentieren Handlungen.» Von Schizophrenie ist die Rede im Programmheft zu Arthur Honeggers Szenischem Oratorium «Johanna auf dem Scheiterhaufen» auf Paul Claudels Dichtung. Das ist selbstredend kein Zufall. «Ketzerin! Hexe! Abtrünnige! Gottesfeindin! Verworfene!» Aber auch das beschwörende «Es war ein Mädchen namens Jeanne», das wir aus dem öffentlichen Telefon rechts am Bühnenrand unter der (Neon-)Straßenbeleuchtung hören – aus jenem Telefon, in das die profanierte Jungfrau ihr Gebet singt.
Marianne Denicourt, die junge, altmodisch-grandiose und doch so pathosferne französische Schauspielerin, macht es begreifbar: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Flimm, als Ihr Freund Gerhard Schröder im Herbst 1998 Helmut Kohl als Bundeskanzler ablöste, verkündete er, er wolle nicht alles anders machen, aber vieles besser. Im Oktober vergangenen Jahres haben Sie die Intendanz der Salzburger Festspiele von Peter Ruzicka übernommen. Was muss sich ändern, was wollen Sie besser machen?
Ich würde nie sagen, dass ich etwas...
Auf einem Plastiksitz im Bahnhof wartet sie und schaut in die vorbeiströmende Menge. Hanjo heißt eigentlich Hanako und war Geisha. Sie wartet auf den Mann, mit dem sie vor drei Jahren einen Fächer getauscht hat. Für die junge Frau, die tief verwurzelt ist in den traditionellen Verhaltensweisen Japans, bedeutete das die Verlobung. Nun starrt sie in die Gesichter...
Die Paris-Episode der Cerha’schen «Lulu»-Komplettierung hielt Joachim Kaiser – wie er in seiner Uraufführungskritik 1979 formulierte – für eine «ziemlich überflüssige und unergiebige Unterbrechung» des Ganzen. Peter Grisebach nimmt in seiner Bremerhavener Produktion von Bergs nachgelassener Oper diesen Gedanken auf und streicht, neben einigen anderen Kürzungen,...
