Kein Feuer, kein Scheiterhaufen

Basel, Honegger: Johanna auf dem Scheiterhaufen

Opernwelt - Logo

Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel signifikant geriet.
«Meist sind die Stimmen unfreundlich, oft anklagend, sie werfen den Kranken Vergangenes vor, unabhängig davon, ob es sich tatsächlich abgespielt hat oder nicht.

Sie erteilen Befehle oder kommentieren Handlungen.» Von Schizophrenie ist die Rede im Programmheft zu Arthur Honeggers Szenischem Oratorium «Johanna auf dem Scheiterhaufen» auf Paul Claudels Dichtung. Das ist selbstredend kein Zufall. «Ketzerin! Hexe! Abtrünnige! Gottesfeindin! Verworfene!» Aber auch das beschwörende «Es war ein Mädchen namens Jeanne», das wir aus dem öffentlichen Telefon rechts am Bühnenrand unter der (Neon-)Straßenbeleuchtung hören – aus jenem Telefon, in das die profanierte Jungfrau ihr Gebet singt.
Marianne Denicourt, die junge, altmodisch-grandiose und doch so pathosferne französische Schauspielerin, macht es begreifbar: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zu neuen Taten – mit alten Problemen

Sommersaison im Schlosstheater Drottningholm: ein Ausflug in vergangene Theaterzeiten, für viele Opernfreunde geradezu ein Pilgerweg. Nicht erst Ingmar Bergmans «Zauberflöten»-Film von 1975, für den der Regisseur die Dekorationen des barocken Theaters von 1766 en detail nachbauen ließ, verhalf dem Schlosstheater zu weltweiter Berühmtheit. Kulissen und...

Aus dem Leben gegriffen

Mehr als vierzig Opern hat Francesco Cavalli zwischen 1639 und 1673 geschrieben. Er zählte zu den meistaufgeführten Komponis­ten seiner Zeit. Mit dem Aufkommen der Gesangsoper und des Kultes um die Virtuosenarie verblasste Cavallis Ruhm. Seine noch am Deklamationsstil Monteverdis orientierten Bühnenwerke gerieten gründlich in Vergessenheit – für drei Jahrhunderte....

Die Rache der Meisterin

In der Operette «Wiener Blut», deren Musik nach Stücken von Johann Strauß zusammengeschustert wurde, geht es um das, was der Titel verspricht: «Wie­nerblut, eigner Saft, voller Kraft, voller Glut». Damit richtig deutlich werden kann, was damit gemeint ist, bedarf es eines Kontrastes, eines Blutes gewissermaßen, das ganz und gar nicht wienerisch ist und in Wien...