Kein Feuer, kein Scheiterhaufen
Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel signifikant geriet.
«Meist sind die Stimmen unfreundlich, oft anklagend, sie werfen den Kranken Vergangenes vor, unabhängig davon, ob es sich tatsächlich abgespielt hat oder nicht.
Sie erteilen Befehle oder kommentieren Handlungen.» Von Schizophrenie ist die Rede im Programmheft zu Arthur Honeggers Szenischem Oratorium «Johanna auf dem Scheiterhaufen» auf Paul Claudels Dichtung. Das ist selbstredend kein Zufall. «Ketzerin! Hexe! Abtrünnige! Gottesfeindin! Verworfene!» Aber auch das beschwörende «Es war ein Mädchen namens Jeanne», das wir aus dem öffentlichen Telefon rechts am Bühnenrand unter der (Neon-)Straßenbeleuchtung hören – aus jenem Telefon, in das die profanierte Jungfrau ihr Gebet singt.
Marianne Denicourt, die junge, altmodisch-grandiose und doch so pathosferne französische Schauspielerin, macht es begreifbar: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein täglicher Blick in die Zeitung bringt es an den Tag: Macht, Liebe und Eifersucht sind die Triebkräfte, die die Menschheit in Atem halten. Was Wunder, dass sie seit jeher auch die Künstler umtreiben, von den Epen Homers über die mittelalterlichen Ritterromane bis hin zur Fantasy-Literatur unserer Tage. Oper und Kino machen keine Ausnahme. Im Gegenteil, beide...
Ein Kamin in der Villa Wahnfried, auf dem Sims ein Bild des alten Abbé Liszt, made by Hanfstaengl. Im Fauteuil davor ein smarter Herr im Freizeithemd, entspannt, doch konzentriert seinen Gesprächspartnern lauschend, auf den ersten Blick eher Technokrat denn Künstler. Es ist ein Foto anlässlich des berühmten «Spiegel»-Interviews aus dem Jahre 1967, in dem Pierre...
Genau werden wir es erst wissen, wenn die Bayreuther Richard-Wagner-Stiftung die Sache vertraglich abgesegnet hat – als Trägerin der Festspiele. Das kann dauern. Aber vieles spricht im Moment dafür, dass Katharina Wagner bald die Herrschaft auf dem Grünen Hügel übernimmt. Vater Wolfgang und Mutter Gudrun sagen nun ganz offen, was sie lange für sich behielten und...
