Reales und Irreales
Nach dem großartigen «Lohengrin» zu Beginn der Spielzeit ging das Theater Regensburg mit «Die tote Stadt» erneut an seine Grenzen. Der Abend forderte alle Abteilungen und konnte in der Regie von Ernö Weil, die vorrangig Seelenzustände ausleuchtet, gänzlich überzeugen. Erneut ist die Leistung des Philharmonischen Orchesters unter Tetsuro Ban hervorzuheben, die das eigentlich Unmögliche zu ermöglichen half.
Zum Thema des Stücks gehört die Überlagerung des Realen mit Irrealem. In Regensburg sind Portalschleier für die Traumsequenzen zuständig.
Zudem wird das Medium Film mit ineinander fließenden Projektionen von Paul und Marie/Marietta gestreift. Die Bühne zeigt zunächst die Apsis der «Kirche des Gewesenen», in der Paul die Reliquien seiner verstorbenen Frau aufbewahrt, dann – mit bühnenhohen Versatzstücken sich gegenläufig drehend – Schauplatz für die Komödianten und den Fronleichnamszug, der Paul kurz zur Umkehr bringt, im dritten Bild wieder Kirche. So entsteht im Verein mit poetisch-fantasievollen Kostümen ein plausibler Rahmen.
Die Sänger haben Riesenpartien zu bewältigen, allen voran das Protagonisten-Paar. Beide stehen fast pausenlos auf der Bühne. Korngold fordert von der ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Heldt
Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an...
Der Höhepunkt kam zum Schluss. So transparent, wie die Staatskapelle Halle unter Karl-Heinz Steffens die Variationen aus Alban Bergs «Lulu-Suite» musizierte, fiel einem unwillkürlich Anton Weberns Diktum ein, in 50 Jahren würde jeder Postbote die Musik der Schönberg-Schule pfeifen. Zumindest konnte jeder musikalische Hörer die Metamorphosen des Wedekind’schen...
Zwei unterschiedlich große, weiße Kreise werden auf die dunkle Bühnenwand projiziert, ein schwarzer Monolith bricht auf und offenbart im Inneren einen Diamanten. Robert Wilson schafft Bilder von rätselhafter Schönheit. Er verführt mit seinem fremden Blick. Er dehnt die Zeit und öffnet den Raum. Es verwundert, dass nach dieser grandiosen «Norma»-Premiere lautstarke...
