Klarheit und Freiheit
Zwei unterschiedlich große, weiße Kreise werden auf die dunkle Bühnenwand projiziert, ein schwarzer Monolith bricht auf und offenbart im Inneren einen Diamanten. Robert Wilson schafft Bilder von rätselhafter Schönheit. Er verführt mit seinem fremden Blick. Er dehnt die Zeit und öffnet den Raum. Es verwundert, dass nach dieser grandiosen «Norma»-Premiere lautstarke Buhs zu hören sind, als der amerikanische Regisseur die Bühne des Zürcher Opernhauses betritt. Vielleicht befremdet seine Regiesprache den einen oder anderen Belcanto-Fan gerade durch ihr Anderssein.
Sie verweigert sich dem schnellen Zugriff, sie sperrt sich gegen eine klare Zuordnung, bleibt geheimnisvoll.
Man kennt sie mittlerweile, Wilsons weiß geschminkte Gesichter, die sanften Lichtwechsel und die unnatürlichen, stilisierten Bewegungen, die er den Solisten abverlangt. Nicht selten wirken seine Inszenierungen kalt und austauschbar, nicht selten sterben sie in Schönheit. Bei der Zürcher «Norma» ist das nicht so. Wilsons abstrakte Bilder passen gut zur rätselhaften Druidenwelt der von den Römern bedrohten Gallier. Die beiden Kreise zu Beginn erinnern an Sonne und Mond, die in der Oper für Krieg und Frieden, für männlich ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Georg Rudiger
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