«Glücklich macht uns Illusion»

Christof Loy und Sebastian Weigle nehmen in Frankfurt «Die Fledermaus» ernst

Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an diesem Abend. Und das war gut so.



Loy hat, unterstützt vom Frankfurter GMD Sebastian Weigle, tief in die Musik hineingehört und aus ihr jenen nostalgischen Schwebezustand herausgekitzelt, der so typisch ist für die österreichische Mentalität des «Sowohl als auch und des Weder noch» (wie Robert Musil treffend schrieb). Strauß’ Musik unternimmt eine Gratwanderung zwischen Frenesie und Rührung. Hinter dem Walzertaumel lauert stets zugleich die Leere, hinter dem Versprechen der erotischen Orgiastik die Ernüchterung.

Herbert Murauers Bühne – ein gründerzeitlicher, ganz in Brauntönen tapezierter Salon – fasst das Geschehen in einen strengen Rahmen. In diesem raffiniert beleuchteten Einheitsraum entfaltet sich ein Spiel, das auf Gags verzichtet und an Schnitzler oder an die Kammerspiele Tschechows erinnert, bei denen man ja auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Im Focus der Ausgabe April 2011

Das Leichte ist oft das Schwerste. Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage und sein Librettist Richard Thomas nahmen sich die Tragödie des Models Anna Nicole Smith vor – und legten ihr Auftragswerk für Covent Garden als «schwarze Komödie» an. Richard Jones lieferte knallbunte Showbilder dazu. Groteskes Revuetheater zwischen Sex und Sensationen. Christof Loys...

TV-Tipps April 2011

ARTE
1./7.4. – 6.00 Uhr
Il Giardino Armonico.
Jubiläumskonzert in Würzburg zum 25-jährigen Bestehen des Orchesters.

1.4. – 7.30 Uhr (Teil 24)
2.4. – 8.25 Uhr (Teil 24)
Little Amadeus.
Zeichentrickserie über die Abenteuer des jungen Mozart. 24. Sternschnuppen.

3.4. – 6.00 Uhr
Eine Musikstunde mit Kenneth Gilbert.
Der Cembalist Olivier Baumont und sein Lehrer Kenneth Gilbert...

Pathos und Eigensinn

Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) –...