Miki: AI-EN
Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Librettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer großen Liebe, wie sie nur die Oper und das Märchen glaubhaft machen können: Weil sie glaubt, ihren Mann verloren zu haben, stirbt die junge Japanerin Sakurako aus Trauer.
Doch der Witwer findet seine Liebe in China wieder. Dort nämlich trifft er auf Sakurakos Zwillingsschwester, eine begnadete Pipa-Spielerin.
International ist der Japaner Miki bekannt geworden für seinen glücklichen Versuch, westlichen Orchesterklang mit östlicher Musiziertradition zu amalgamieren. Und wenn er nun in «AI-EN» das Hohelied auf die Pipa anstimmt, die japanische Laute, dann mag es auf der Bühne folkloristisch zugehen – im Orchestergraben nimmermehr: Naoto Otomo hat die tückische Partitur fest im Griff, alle vergnüglichen Überraschungen, alle hineinkomponierten Turbulenzen. Und Jing Yang schlägt Funken aus ihrer Pipa, zunächst im Orchester, ...
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